Hüftschmerzen nachts in den Wechseljahren: Warum die Hüfte um 4 Uhr brennt (und was hilft)

Hüftschmerzen nachts in den Wechseljahren: Warum die Hüfte um 4 Uhr brennt (und was hilft)

Es ist kurz nach vier Uhr morgens, und sie wacht auf, weil ihre rechte Hüfte brennt. Nicht ein dumpfer Druck, kein leichtes Ziehen, sondern ein heißes, scharfes Brennen genau dort, wo der seitliche Knochen unter der Haut zu spüren ist. Sie ist 47, sie schläft seit Jahren auf der rechten Seite, und das ist die dritte Nacht in dieser Woche, in der sie davon aufwacht.

Als sie versucht, sich aufzurichten, ist da noch etwas anderes. Das rechte Bein fühlt sich für ein paar Sekunden taub an, fast so, als ob es nicht mehr richtig zum Körper gehört. Sie braucht zwei Anläufe, bis sie aus dem Bett kommt. Im Gang dann der erste Schritt, ein stechendes Ziehen vom Hüftknochen seitlich nach unten zum Knie, dann lockert es sich. Auf dem Weg ins Bad fragt sie sich, ob das eine Bandscheibe ist, ob da etwas eingeklemmt sein könnte, ob sie zum Orthopäden muss.

Sie ist nicht allein. Studien zur Greater-Trochanteric-Pain-Syndrome-Diagnose zeigen, dass diese spezielle Form von Hüftschmerz vor allem Frauen zwischen 40 und 60 trifft, und dass die Prävalenz nach den Wechseljahren noch einmal deutlich ansteigt. Was passiert da eigentlich? Und warum kommt es genau in der Nacht, genau in der Seitenlage, genau in dieser Lebensphase?

Was bei den Hüftschmerzen nachts tatsächlich passiert

Wenn du mit brennenden Hüftschmerzen aufwachst, denken viele Frauen zuerst an die Bandscheibe oder den Hüftknochen selbst. In der Realität ist die Quelle des Schmerzes in den allermeisten Fällen weder das Gelenk noch der Rücken, sondern eine viel oberflächlichere Struktur: der seitliche Knochenvorsprung am Oberschenkelknochen, der sogenannte Trochanter major. Du kannst ihn selbst tasten, wenn du seitlich auf der Hüfte die Hand auflegst, etwa eine Handbreit unterhalb des Beckenkamms ist der Knochen direkt unter der Haut.

Über diesem Knochen liegen drei Strukturen, die für nächtliche Schmerzen besonders relevant sind. Erstens der Schleimbeutel, die Bursa trochanterica, ein flaches mit Flüssigkeit gefülltes Gleitlager, das die Reibung zwischen Knochen und darüberliegender Sehne reduziert. Zweitens die Sehnen der Glutealmuskeln, vor allem von Gluteus medius und minimus, die genau an diesem Knochenpunkt ansetzen und die Hüfte beim Gehen und Stehen stabilisieren. Drittens ein dickes Bindegewebsband, der Tractus iliotibialis, der von der Hüfte über die Außenseite des Oberschenkels bis unters Knie verläuft.

In den allermeisten Fällen ist nicht der Schleimbeutel allein das Problem, auch wenn der Begriff Trochanter-Bursitis weit verbreitet ist. Aktuelle Übersichtsarbeiten aus dem Statpearls-Lexikon der medizinischen Fortbildung und aus orthopädischen Lehrbüchern zeigen, dass die meisten Fälle des sogenannten Greater Trochanteric Pain Syndrome (GTPS) auf eine Sehnenreizung der Glutealmuskulatur zurückgehen, eine sogenannte Gluteale Tendinopathie. Der Schleimbeutel ist oft mitbetroffen, aber selten der eigentliche Ausgangspunkt. Wenn deine Hüfte seitlich brennt, ist es also fast immer ein Sehnen-plus-Schleimbeutel-Problem in einer Tiefe von vielleicht einem bis zwei Zentimeter unter der Haut.

Und genau das erklärt, warum es nachts so weh tut. Wenn du auf der Seite liegst, drückst du mit deinem gesamten Oberkörpergewicht von oben auf diese empfindliche Stelle. Die Sehnen werden zusätzlich komprimiert, der Schleimbeutel wird zusammengepresst, die Mikrozirkulation in der Region nimmt ab. Über mehrere Stunden Schlaf hinweg summiert sich das. Hinzu kommt, dass in der Tiefschlafphase die natürlichen Entzündungshemmer im Körper abfallen und der Schmerzschwellenwert sinkt. Gegen vier Uhr morgens, in der zweiten Hälfte der Nacht, ist die hormonelle Lage am ungünstigsten: Cortisol fängt erst langsam wieder an zu steigen, Östrogen ist im Tagesminimum, und genau da wachen viele Frauen mit dem brennenden Schmerz auf.

Warum die Wechseljahre das Ganze verschärfen

Bis hierher klingt das, was du gerade erlebst, nach einer ganz normalen Orthopädie-Geschichte, die auch ohne Wechseljahre vorkommen könnte. Aber die Datenlage ist eindeutig: GTPS ist eine Frauen-Krankheit, und sie wird in den Jahren um die Menopause statistisch häufiger. Eine randomisierte Studie im American Journal of Sports Medicine (Cowan et al., 2022) hat sich genau angeschaut, was passiert, wenn man postmenopausalen Frauen mit GTPS gezielte Übungen, Hormontherapie oder die Kombination aus beidem gibt. Die Tatsache, dass dieser Studientyp überhaupt sinnvoll ist, sagt schon viel: Es geht hier nicht um einen isolierten Schleimbeutel, sondern um ein Wechselspiel aus Sehnen, Hormonen und Mechanik.

Östrogen ist für die Sehnengesundheit relevanter, als die meisten Frauen wissen. Sehnen bestehen zu einem großen Teil aus Kollagenfasern, und die Kollagensynthese in den Sehnen-bildenden Zellen, den Tenozyten, wird von Östrogen mit reguliert. Wenn der Östrogenspiegel in der Perimenopause anfängt zu schwanken und im Verlauf weiter abfällt, sinkt auch die Qualität des nachgebildeten Kollagens. Die Sehne wird weniger elastisch, sie verträgt Belastungen schlechter, sie reagiert auf Mikrotraumen mit ausgeprägterer Entzündungsreaktion. In der Sportmedizin ist dieser Effekt schon länger bekannt, eine Übersicht hat das in einer Auswertung zu Tendinopathien bei Frauen in der Lebensmitte zusammengefasst.

Dazu kommt eine zweite Komponente, über die in den Praxen weniger gesprochen wird: die Muskelmasse. Östrogen unterstützt die Wirkung von Wachstumsfaktoren wie IGF-1, der für den Muskelaufbau und -erhalt entscheidend ist. Mit dem Östrogenabfall sinkt diese Unterstützung. Gerade die Glutealmuskulatur, also genau die Gruppe, deren Sehnen am Trochanter ansetzen, atrophiert in den Jahren um die Menopause oft messbar. Eine schwächere Glutealmuskulatur stabilisiert das Becken beim Gehen schlechter, der Tractus iliotibialis und die Sehnenansätze müssen mehr Arbeit übernehmen, die Belastung am Trochanter steigt. Über Monate und Jahre entsteht so ein chronisches Reizungsmuster, das sich nachts in der Seitenlage erstmalig deutlich bemerkbar macht.

Drittens spielt die Entzündungslage mit hinein. Östrogen wirkt unter anderem entzündungshemmend, weil es die Ausschüttung pro-inflammatorischer Botenstoffe dämpft. Wenn dieser Schutz wegfällt, reagieren Sehnen und Schleimbeutel auf kleine Reize stärker als vorher. Das erklärt, warum Frauen in den Wechseljahren häufig auch dort plötzlich Probleme bekommen, wo sie früher mit derselben Belastung problemlos durch den Alltag gegangen sind. Wir haben diesen Mechanismus im Artikel zu Östrogen und Knorpel im Detail beschrieben, er gilt analog auch für Sehnen und Bursae.

Bursitis, Arthrose oder ISG-Blockade: So unterscheidest du es

Bevor du eine Therapie planst, lohnt sich der Versuch, die Schmerzquelle einzukreisen. Es gibt drei Diagnosen, die in dieser Konstellation häufig verwechselt werden, und sie brauchen jeweils unterschiedliche Behandlungen.

Trochanter-Bursitis und gluteale Tendinopathie (GTPS) zeigen sich klassisch als seitlicher Hüftschmerz. Du tastest mit den Fingern den Knochenvorsprung an der Außenseite, drückst ein bis zwei Zentimeter nach vorne und nach hinten, und triffst genau die schmerzhafteste Stelle direkt am Knochen. Der Schmerz bleibt seitlich, er strahlt manchmal die Außenseite des Oberschenkels Richtung Knie aus, aber er sitzt nicht in der Leiste. Beim Aufstehen aus dem Sitzen, beim Treppensteigen und vor allem beim Liegen auf der betroffenen Seite ist es am schlimmsten. Das Hüftgelenk selbst lässt sich passiv (also wenn jemand anderes das Bein bewegt) ohne große Probleme drehen. Wer den Schmerz mit gestrecktem Bein im Stehen reproduzieren möchte: sich auf das betroffene Bein stellen, das andere Bein leicht anheben, das löst typischerweise den Schmerz aus. Hüftarthrose (Coxarthrose) sitzt dagegen tiefer im Gelenk und zeigt sich anders. Der Hauptschmerz ist in der Leiste, manchmal mit Ausstrahlung in den vorderen Oberschenkel oder bis ins Knie. Beim Drehen des Beins, vor allem bei Innenrotation, schmerzt es deutlich. Morgens nach dem Aufstehen ist die Hüfte steif und braucht Zeit, um in Gang zu kommen. Wenn jemand anderes dein Bein liegend hin und her dreht, hörst und spürst du eventuell ein Knirschen. Hüftarthrose ist im Röntgenbild sichtbar, eine Bursitis dagegen meistens nicht. ISG-Blockade (Iliosakralgelenk-Syndrom) sitzt im hinteren Beckenbereich, da wo das Kreuzbein auf das Beckenbein trifft. Der Schmerz ist oft tief im Gesäßbereich auf einer Seite, kann ins Bein ausstrahlen, manchmal aber auch um die Hüfte herum nach vorne wandern. Typisch ist, dass der Schmerz sich beim einseitigen Belasten verändert: Wenn du auf einem Bein stehst, ist es entweder besser oder schlimmer. Beim Vorbeugen oder beim Rotieren des Rumpfes meldet sich das ISG, der Trochanter dagegen ist auf Druck nicht besonders empfindlich. Eine ISG-Blockade ist in der Bildgebung schwer zu fassen, sie wird klinisch und manualtherapeutisch diagnostiziert.

Der einfache Trochanter-Druck-Test, den du selbst zu Hause machen kannst: Du legst dich auf die nicht schmerzende Seite, der Schmerzbereich liegt oben. Du tastest mit den Fingern den Knochenvorsprung. Du drückst mit moderatem Druck genau auf den Knochen und ein bis zwei Zentimeter ringsherum. Wenn dieser Druck genau den Schmerz auslöst, den du nachts spürst, ist GTPS sehr wahrscheinlich. Wenn der Druck nichts macht, aber tiefere Bewegung in der Leiste schmerzt, denk an Arthrose. Wenn der Schmerz hinten im Gesäß oder weiter Richtung Kreuzbein sitzt, denk an ISG.

Wichtig: Dieser Test ersetzt keine ärztliche Diagnose. Aber er gibt dir eine Idee, in welche Richtung du dich beim Arztbesuch und bei den Therapiemaßnahmen orientieren solltest.

Was die Studienlage zu Hormontherapie sagt

Es gibt erstaunlich wenig kontrollierte Studien zu der Frage, ob eine Hormontherapie GTPS verbessert. Aber die wenigen vorhandenen Arbeiten sind interessant. Die schon erwähnte randomisierte Studie von Cowan et al., 2022 hat 117 postmenopausale Frauen mit diagnostiziertem GTPS in vier Gruppen aufgeteilt: nur Übungstherapie, nur Hormontherapie (transdermal Östradiol plus Progesteron), beides kombiniert, oder keine spezifische Behandlung. Die wichtigsten Ergebnisse nach zwölf Monaten: Die Übungstherapie war die wirksamste Einzelmaßnahme, mit deutlicher Verbesserung von Schmerz und Funktion. Die Hormontherapie alleine hatte einen kleinen, aber statistisch signifikanten Effekt. Die Kombination war numerisch besser als die einzelnen Maßnahmen, aber nicht signifikant überlegen.

Das heißt für die Praxis: Wenn du in den Wechseljahren GTPS entwickelst, ist die wichtigste Maßnahme nicht die Hormontherapie, sondern ein gezieltes Übungsprogramm. Eine HRT kann zusätzlich helfen, vor allem wenn du sie ohnehin in Erwägung ziehst, weil du auch andere Wechseljahre-Beschwerden hast. Sie ist aber kein Ersatz für die mechanische Arbeit an der Sehne. Wir haben den aktuellen Forschungsstand zur Hormontherapie ausführlich im Artikel HRT in 2026 zusammengefasst.

Eine ergänzende Beobachtung aus der Sportmedizin: Frauen, die bereits vor der Perimenopause eine HRT mit Östradiol begonnen haben, scheinen weniger anfällig für die typischen Sehnenprobleme zu sein. Belastbare Studien für eine Primärprävention von GTPS durch HRT gibt es derzeit nicht, aber die zugrundeliegende Hypothese ist plausibel und passt zu dem, was wir über den Östrogen-Sehnen-Zusammenhang wissen.

Die 5-Minuten-Akutroutine fürs Aufstehen

Wenn dich der Schmerz nachts geweckt hat und du wieder einschlafen möchtest, oder wenn du morgens aufstehen musst und die Hüfte fest und brennend ist, hilft eine kurze, ruhige Routine, die du im Bett oder direkt daneben machen kannst.

Schritt 1, immer noch im Liegen, eine Minute. Drehe dich vorsichtig auf den Rücken. Stelle beide Füße auf der Matratze auf, Knie sind gebeugt, hüftbreit auseinander. Das nimmt sofort den Druck vom Trochanter. Atme tief in den Bauch ein, fünf Sekunden ein, sieben Sekunden aus. Die langsame Ausatmung hilft, das Vegetativum zu beruhigen und die Schmerzwahrnehmung zu dämpfen. Schritt 2, eine Minute Mobilisation. Bleib auf dem Rücken liegen, lass beide Knie langsam zur einen Seite kippen, dann zur anderen, sehr klein anfangen, vielleicht zehn bis fünfzehn Grad in jede Richtung. Sechs bis acht langsame Wiederholungen. Das mobilisiert das ISG, lockert die Hüftaußenseite und bringt etwas Bewegung in die seitlichen Sehnen ohne sie zu komprimieren. Schritt 3, eine Minute Glute-Bridges leicht. Füße immer noch aufgestellt, drücke die Fersen in die Matratze und hebe das Becken vielleicht zehn Zentimeter an, halte zwei Sekunden, lass es langsam wieder absinken. Sechs bis acht Wiederholungen. Das aktiviert die Glutealmuskeln, die Sehne wird sanft belastet (kein Druck von außen, eigene Zugbewegung), die Region wird durchblutet. Schritt 4, zwei Minuten Aufstehen mit Strategie. Drehe dich auf die nicht schmerzende Seite, stütze dich mit dem oberen Arm ab, schiebe dich gleichzeitig mit den Füßen über die Bettkante. So vermeidest du, dass du direkt auf der schmerzenden Seite das Gewicht abrollst. Im Stehen ein paar Sekunden auf beiden Beinen, dann den ersten Schritt mit dem schmerzfreien Bein voraus. Die ersten drei bis vier Schritte sind oft die schlimmsten, danach lockert sich das Gewebe spürbar.

Das Lähmungs-Gefühl im Bein, das viele Frauen beschreiben (oft genau dieses Bild: "ich konnte nicht aufstehen, weil das Bein nicht mehr zu mir gehört hat"), entsteht meist nicht durch echten Nervenkompressionsschaden, sondern durch eine Kombination aus muskulärer Schutzspannung und reduzierter Durchblutung im seitlichen Bein nach Stunden in der Seitenlage. Mit den Bridges und den ersten Schritten löst sich das in der Regel innerhalb von einer bis zwei Minuten. Bleibt das Bein wirklich kraftlos, taub oder kalt, gehört das in eine zeitnahe ärztliche Abklärung.

Das Übungsprogramm, das wirklich Evidenz hat

Die wichtigste Maßnahme bei GTPS ist nicht eine Spritze, nicht eine Schmerztablette, sondern ein gezieltes Belastungs-Aufbauprogramm für die Glutealmuskulatur. Das ist mittlerweile in mehreren randomisierten Studien gut belegt. Eine australische Arbeitsgruppe um Mellor et al. hat 2018 im BMJ gezeigt, dass ein achtwöchiges Programm aus Bildung plus Übungen deutlich besser wirkt als Kortison-Injektionen oder Abwarten. Nach zwölf Monaten waren die Frauen im Übungsprogramm immer noch besser dran als die mit Spritzen behandelten.

Drei Übungen sind dabei zentral. Erste Übung: Wandstütze auf einem Bein. Du stellst dich seitlich an eine Wand, der Hüftknochen, der nicht schmerzt, steht zu Wand. Du beugst das wandseitige Bein leicht an, das schmerzhafte Bein steht und trägt das Gewicht. Du drückst nun das angehobene Knie sanft gegen die Wand, vorne weg, etwa drei Sekunden, dann loslassen, drei Sekunden Pause. Was passiert: die Glutealmuskulatur des Standbeins muss arbeiten, ohne dass die Sehnen komprimiert werden. Acht bis zwölf Wiederholungen pro Seite, ein bis zwei Mal täglich.

Zweite Übung: Glute Bridge. Auf dem Rücken liegen, beide Füße aufstellen, hüftbreit. Becken anheben, bis der Körper eine gerade Linie vom Knie zur Schulter bildet. Zwei Sekunden halten, langsam absenken. Zehn bis fünfzehn Wiederholungen, ein bis zwei Sätze. Diese Übung gilt in der orthopädischen Rehabilitation als sehr sichere Einstiegsübung, weil sie die Glutealsehnen aktiviert ohne sie zu komprimieren. Dritte Übung: Side-Stepping mit Mini-Band. Du legst dir ein elastisches Band knapp oberhalb der Knie um die Beine. Du gehst leicht in die Knie (wie in eine Halb-Hocke), und gehst dann seitwärts, kleine Schritte, das Band hält Spannung. Zehn Schritte zur einen Seite, zehn zurück. Das trainiert genau die Außenrotation und Abduktion, die bei GTPS die Schwachstelle ist.

Was viele Physiotherapeutinnen früher empfohlen haben, was aber heute nicht mehr Standard ist: Clamshells. Die Übung, bei der du in der Seitenlage liegst, die Knie übereinander, und das obere Knie wie eine Muschel öffnest. Sie wirkt intuitiv passend, aber in der Forschungspraxis hat sich gezeigt, dass die Position in der Seitenlage genau die Kompressions-Komponente verstärkt, die wir bei GTPS vermeiden wollen. Sport-Physiotherapeuten warnen mittlerweile davor, Clamshells im Akut-Stadium einzusetzen.

Was du auf jeden Fall meiden solltest, solange die Sehne gereizt ist: das schmerzhafte Bein einseitig über das andere schlagen im Sitzen, langes Sitzen mit überkreuzten Beinen, einseitige Belastung in der Lateralfaszie (zum Beispiel das Tragen einer schweren Tasche immer auf derselben Schulter), und dehnende Übungen für den Tractus iliotibialis, bei denen das Bein zur Gegenseite gezogen wird. Diese Bewegungen drücken die Sehnen direkt in den Trochanter und unterhalten die Entzündung.

Das Schlafsetup, das die Hüfte schont

Wenn die Sehne tagsüber arbeiten lernt, muss sie nachts in Ruhe regenerieren können. Das gelingt nur, wenn das Schlafsetup stimmt.

Die wichtigste Veränderung ist ein Kissen zwischen den Knien. In der Seitenlage neigt das obere Bein dazu, nach vorne über das untere Bein zu kippen, was den Tractus iliotibialis spannt und die Sehnen am Trochanter zieht. Ein dickes Kissen (oder zwei normale aufeinander) zwischen den Knien hält die Beine parallel und das Becken neutral. Das nimmt sofort spürbar Spannung aus der Region.

Wenn der Schmerz besonders stark ist, kannst du zusätzlich versuchen, leicht nach hinten gekippt zu liegen: auf die gesunde Seite, dann ein Kissen hinter dem Rücken anlehnen, sodass du etwa zwanzig Grad nach hinten gekippt liegst. Das verschiebt den Druck weiter von der Seite weg, das Gewicht ruht teilweise auf der Pomuskulatur statt direkt auf dem Trochanter.

Auf der schmerzhaften Seite zu schlafen ist in der Akutphase eine schlechte Idee. Das hört sich banal an, aber viele Frauen versuchen es trotzdem, weil sie diese Position aus Jahrzehnten gewohnt sind. Drei bis sechs Wochen konsequent auf der anderen Seite oder auf dem Rücken zu schlafen, ist eine der wirksamsten Maßnahmen, die du selbst beeinflussen kannst.

Die Matratze spielt mit hinein. Eine zu harte Matratze drückt die Hüfte in einer Seitenlage zu sehr nach oben, der Trochanter trägt zu viel Last. Eine zu weiche Matratze lässt das Becken einsinken und kippt es ungünstig. Mittelhart bis hart mit einer Topper-Lage darüber ist meistens der beste Kompromiss. Ein Memory-Foam-Topper von vier bis sechs Zentimetern kann den Druck am Trochanter deutlich reduzieren, ohne das ganze Bett umkippen zu müssen. Wir haben das Thema in Matratze in den Wechseljahren im Detail behandelt, dort steht auch, worauf du beim Topper achten musst.

NSAR, Salben und Spritzen: Was im Akutfall sinnvoll ist

Wenn der Schmerz akut ist und das Schlafdefizit dich tagsüber aus dem Tritt bringt, sind kurzfristige medikamentöse Maßnahmen vertretbar. Sie ersetzen nicht die Ursachen-Behandlung, aber sie können dir den Spielraum geben, das Übungsprogramm überhaupt durchzuhalten.

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen wirken auf die Entzündungskomponente. Eine Dosis am Abend (zum Beispiel 400 bis 600 Milligramm Ibuprofen, wenn keine Kontraindikationen vorliegen) kann die nächtlichen Schmerzen reduzieren. Sinnvoll ist das für sieben bis zehn Tage, nicht für Monate. NSAR haben bei Langzeitgebrauch Nebenwirkungen auf Magen, Niere und Herz-Kreislauf-System, die nicht zu unterschätzen sind. Sprich das mit deiner Hausärztin ab, vor allem wenn du bereits Blutdrucksenker oder Magenmedikamente nimmst.

Lokal können Diclofenac-Gele helfen, die du zwei bis drei Mal täglich auf den seitlichen Hüftbereich aufträgst. Sie sind in der Wirkung schwächer als orale NSAR, dafür mit weniger systemischen Nebenwirkungen. Für die akute Beruhigung der Region eine vernünftige Option.

Die Kortison-Spritze ist die nächste Eskalationsstufe und sollte nicht der erste Schritt sein. Eine randomisierte Studie aus der hausärztlichen Versorgung hat gezeigt, dass eine einzelne Injektion mit Kortison kurzfristig (drei Monate) deutlich besser wirkt als reine konservative Behandlung. Nach zwölf Monaten gleichen sich die Ergebnisse jedoch wieder an, die Spritze hat dann keinen messbaren Vorteil mehr. Mehrere Spritzen hintereinander erhöhen das Risiko einer Sehnenschwächung. Die Empfehlung in den meisten orthopädischen Leitlinien lautet daher: maximal ein bis zwei Injektionen pro Jahr, immer als Ergänzung zum Übungsprogramm, nicht als Ersatz dafür.

Was du dir im Internet sicher schon angeschaut hast: Eigenblut-Therapien (PRP), Stoßwellen, Magnetfeld. Die Datenlage zu diesen Verfahren ist bei GTPS schwächer als zur Übungstherapie. PRP zeigt in einigen Studien Hinweise auf Wirksamkeit, vor allem bei chronischen Verläufen, ist aber privat zu zahlen und liegt bei mehreren Hundert Euro pro Sitzung. Stoßwelle hat moderate Evidenz, kann eine Option sein, wenn das Übungsprogramm allein nicht ausreicht.

Wann du zur Orthopädin oder zum Physiotherapeuten gehen solltest

Es gibt drei Situationen, in denen ein Termin nicht warten sollte.

Erstens, wenn der Schmerz nicht nur seitlich, sondern auch in der Leiste sitzt, beim Drehen des Beins deutlich zunimmt oder mit einem hörbaren Knirschen im Hüftgelenk verbunden ist. Das spricht für eine Mitbeteiligung des Gelenks selbst und gehört in eine Bildgebung.

Zweitens, wenn das Lähmungs-Gefühl im Bein nach dem Aufstehen länger als ein paar Minuten anhält, wenn die Kraft im Bein wirklich nachlässt, wenn Taubheit oder Kribbeln entlang einer bestimmten Bahn vom Rücken über das Bein wandert. Das wäre eher ein neurologisches Muster und braucht eine Abklärung, oft mit MRT der Lendenwirbelsäule.

Drittens, wenn die Schmerzen nach drei bis vier Wochen konsequenter Selbstbehandlung (Kissen zwischen den Knien, Seitenwechsel, leichte Übungen, ggf. NSAR) nicht spürbar besser werden. Dann ist es Zeit für eine strukturierte Physiotherapie. Idealerweise mit einem Therapeuten, der Erfahrung mit GTPS und Sehnentendinopathie hat. Frag explizit danach, das ist nicht jede Praxis Standard.

Bei der Orthopädin solltest du auf die Bildgebung achten. Ein einfaches Röntgenbild der Hüfte sollte am Anfang stehen, um eine Arthrose auszuschließen. Eine Sonographie der Glutealsehnen kann eine Tendinopathie und eine Schleimbeutelentzündung gut zeigen. Ein MRT ist nur in ausgewählten Fällen nötig, etwa bei Verdacht auf einen Sehnenanriss oder wenn das Bild atypisch ist.

Wir haben einen längeren Artikel zur breiteren Frage der Gelenkschmerzen in den Wechseljahren geschrieben, der zusätzlich auf Schultern, Hände und Knie eingeht. Wenn du nicht nur an der Hüfte Beschwerden hast, lohnt sich dieser Überblick. Und unser Artikel zur Morgensteifigkeit der Finger zeigt, dass viele dieser Phänomene über denselben Mechanismus laufen: Östrogenabfall, veränderte Kollagensynthese, gesteigerte Entzündungsreaktion.

Was du diese Woche tun kannst

  • Heute Nacht: Leg dir ein zweites Kissen zwischen die Knie, dreh dich auf die nicht schmerzende Seite, bleib drei bis sechs Wochen konsequent dabei.
  • Morgen früh: Mach die 5-Minuten-Routine vor dem Aufstehen, vor allem die Bridges und die kleinen Becken-Pendelbewegungen.
  • In den nächsten drei Tagen: Mach den Trochanter-Druck-Test, um deine Verdachts-Diagnose zu erhärten. Wenn der Druck genau den Nachtschmerz reproduziert, ist GTPS sehr wahrscheinlich.
  • Innerhalb einer Woche: Beginne mit den drei Übungen (Wandstütze, Bridge, Side-Stepping). Drei Einheiten pro Woche, je zehn bis fünfzehn Minuten, gerne morgens vor dem Frühstück.
  • Wenn der Schlafmangel kippt: Sprich mit der Hausärztin über eine kurze NSAR-Phase und einen Termin bei einer Physiotherapie mit GTPS-Erfahrung.
  • Wenn du ohnehin über HRT nachdenkst: Nimm die Hüftschmerzen mit ins Gespräch bei der Gynäkologin. Sie sind ein eigenes Argument, das in der Beratung relevant ist, und kein isoliertes Orthopädieproblem.
  • Längerfristig: Bau die Glutealmuskulatur über Monate auf. Krafttraining ist nicht optional in dieser Lebensphase, es ist die wirksamste Maßnahme gegen GTPS, gegen Osteoporose und gegen viele andere Beschwerden, die in der Perimenopause aufkommen. Der Artikel zur Perimenopause und was im Körper passiert erklärt den Zusammenhang systematisch.

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Disclaimer

Dieser Artikel ist eine redaktionelle Einordnung und keine ärztliche Beratung. Hüftschmerzen können viele Ursachen haben, von denen einige (zum Beispiel Sehnenrisse, Stressfrakturen, Nervenkompression oder selten auch entzündliche Gelenkerkrankungen) eine zeitnahe ärztliche Diagnostik brauchen. Wenn dein Schmerz mit Fieber, deutlicher Schwellung, Kraftverlust im Bein oder Taubheitsgefühlen einhergeht, oder wenn er nach drei bis vier Wochen konsequenter Selbstbehandlung nicht besser wird, gehört das in eine ärztliche Sprechstunde. Die in diesem Artikel erwähnten Medikamente sind Beispiele und keine Einnahmeempfehlung, sprich Dosierung und Dauer immer mit deiner Hausärztin oder Orthopädin ab.

Quellen

  • Cowan RM et al. Does Menopausal Hormone Therapy, Exercise, or Both Improve Pain and Function in Postmenopausal Women With Greater Trochanteric Pain Syndrome? A 2x2 Factorial Randomized Clinical Trial. American Journal of Sports Medicine, 2022. PubMed
  • Mellor R et al. Education plus exercise versus corticosteroid injection use versus a wait and see approach on global outcome and pain from gluteal tendinopathy: prospective, single blinded, randomised clinical trial. BMJ, 2018. BMJ
  • Brinks A et al. Corticosteroid Injections for Greater Trochanteric Pain Syndrome: A Randomized Controlled Trial in Primary Care. Annals of Family Medicine. PMC
  • StatPearls: Greater Trochanteric Pain Syndrome (Greater Trochanteric Bursitis). National Library of Medicine. NCBI Bookshelf
  • Natracure: Menopause Hip Pain & Gluteal Tendinopathy (Übersicht zur Östrogen-Sehnen-Verbindung). natracure.com
  • Hip Pain Help: Exercises for Gluteal Tendinopathy and Hip Bursitis, Common Mistakes (Kritik an Clamshells). hippainhelp.com
  • Sports Injury Physio: Best sleeping positions for gluteal tendinopathy and hip bursitis. sports-injury-physio.com
  • Anodyne: Östrogenmangel und Hüftschmerzen in den Wechseljahren. anodyne.ch

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