Claudia Brenner, 51, Ergotherapeutin in Freiburg, ist jemand, der gut schläft. Das hat sie immer von sich gesagt. Ein kurzes Lesen vor dem Einschlafen, Licht aus, fertig. Acht Stunden ohne Unterbrechung. Das war so, bis es plötzlich nicht mehr so war.
Es begann im Herbst 2024, kurz nach ihrer letzten Menstruation. Abends, wenn sie im Bett lag und das Buch zuklappte, fing es an: ein Ziehen in den Unterschenkeln, ein Kribbeln, das sich nicht beschreiben, aber auch nicht ignorieren ließ. Kein Schmerz, eher eine Unruhe, als würde jemand die Nerven in ihren Beinen mit einem schwachen Strom beaufschlagen. Sie stand auf, lief durch die Wohnung, und für ein paar Minuten hörte es auf. Sobald sie sich wieder hinlegte, fing es erneut an. So ging das bis zwei Uhr morgens.
Claudia dachte zunächst an Verspannungen. An zu wenig Bewegung während des Arbeitstages. An Stress. Es dauerte vier Monate und einen Besuch bei ihrer Hausärztin, bis sie das erste Mal den Begriff Restless-Legs-Syndrom hörte, und weitere zwei Monate, bis ihr jemand erklärte, dass dieses Syndrom und die Wechseljahre möglicherweise etwas miteinander zu tun haben.
Was das Restless-Legs-Syndrom ist
Das Restless-Legs-Syndrom, abgekürzt RLS, ist eine neurologische Erkrankung mit einem charakteristischen Leitsymptom: dem zwanghaften Drang, die Beine zu bewegen. Die Empfindungen, die diesen Drang auslösen, werden unterschiedlich beschrieben. Kribbeln, Ziehen, Brennen, Wärme, ein Gefühl wie Ameisenläufen oder wie Wasser, das unter der Haut fließt. Sie treten fast ausschließlich in Ruhe auf, also beim Sitzen oder Liegen, und verschlimmern sich in den Abend- und Nachtstunden. Bewegung lindert sie vorübergehend. Sobald man sich wieder hinlegt, kommen sie zurück.
Das ist wichtig, weil RLS häufig mit Einschlafproblemen oder Verspannungen verwechselt wird. Der entscheidende Unterschied: Bei RLS ist der Drang zur Bewegung nicht zu kontrollieren, und Bewegung lindert tatsächlich, wenn auch nur kurz. Wer stundenlang im Bett liegt und dabei immer unruhiger wird, weil die Beine keine Ruhe geben, weiß den Unterschied zu gewöhnlicher Einschlafstörung zu beschreiben: Das ist keine Gedankenspirale, das kommt aus den Beinen.
Etwa fünf bis zehn Prozent der deutschen Bevölkerung haben RLS in irgendeiner Form, wobei leichte Fälle oft nicht als solche erkannt werden. Unter Frauen ist RLS fast doppelt so verbreitet wie unter Männern. Eine Analyse von Seeman (2020) in der Fachzeitschrift International Journal of Environmental Research and Public Health fasste die verfügbaren Daten zusammen und fand, dass in einer französischen Bevölkerungsstudie mit über 10.000 Erwachsenen 10,8 Prozent der Frauen betroffen waren, gegenüber 5,8 Prozent der Männer. Warum dieser Unterschied besteht, hängt zu einem guten Teil mit den Hormonen zusammen.
Warum die Wechseljahre RLS auslösen oder verstärken können
Östrogen ist kein reines Fortpflanzungshormon. Es greift in das Nervensystem ein, unter anderem in das dopaminerge System, also in die Signalwege, die den Botenstoff Dopamin regulieren. Dopamin spielt eine zentrale Rolle bei der Kontrolle von Bewegungsimpulsen und Sensationen in den Beinen. Wenn das dopaminerge System aus dem Gleichgewicht gerät, kann das Restless-Legs-Symptome auslösen oder verschlechtern.
Östrogen wirkt dabei als eine Art natürlicher Dopamin-Agonist: Es stimuliert ähnliche Rezeptoren wie Dopamin selbst und unterstützt damit die Signalweiterleitung in motorischen und sensorischen Nervenbahnen. Wenn der Östrogenspiegel in der Perimenopause zu schwanken beginnt und letztlich fällt, verliert das Gehirn diesen Puffer. Die Folge: Die dopaminerge Signalgebung wird instabiler, und die Empfindlichkeit der Beinnerven für Ruhereize steigt.
Seeman (2020) weist dabei auf eine wichtige Nuance hin: Nicht der absolute Östrogenspiegel löst RLS aus, sondern die Veränderungen. Das erklärt, warum Symptome oft in der Perimenopause beginnen, wenn die Spiegel stark schwanken, und manchmal nach der Menopause leicht nachlassen, wenn sie auf einem niedrigeren, stabileren Niveau sind.
Dass der Zusammenhang zwischen Hormonen und RLS real ist, hat eine Studie von Huo und Kollegen von der Mayo Clinic (2020) im Fachjournal Innovation in Aging belegt. Die Forschungsgruppe verfolgte 1.653 Frauen, die vor dem 50. Lebensjahr beide Eierstöcke hatten entfernen lassen, und verglich sie mit 1.653 gleichaltrigen Frauen ohne diesen Eingriff. Frauen nach Ovarektomie hatten ein 47 Prozent höheres Risiko, später an RLS zu erkranken (HR: 1,47; 95-Prozent-Konfidenzintervall: 1,08 bis 2,01). Wer die Operation vor dem 46. Lebensjahr hatte, trug sogar ein 53 Prozent höheres Risiko. Das legt nahe, dass der abrupte Wegfall von Östrogen das dopaminerge System dauerhaft destabilisieren kann.
Warum RLS immer nachts schlimmer wird
Frauen mit RLS beschreiben fast alle dieselbe zeitliche Struktur: Tagsüber kaum merklich, abends deutlicher, nachts unerträglich. Das ist kein Zufall, sondern Physiologie.
Dopamin zeigt im Tagesverlauf einen rhythmischen Verlauf: morgens hoch, abends niedrig. Dieser Abfall fällt zeitlich mit dem Anstieg von Melatonin zusammen, dem Schlafhormon. Eine Übersichtsarbeit zur Chronobiologie des RLS (Publiched in Journal of Clinical Sleep Medicine, 2023) stellte fest, dass der Melatonin-Anstieg am Abend die Dopaminausschüttung im Striatum hemmt, einem Hirnbereich, der unter anderem Bewegungsimpulse reguliert. Bei Menschen mit RLS reicht diese abendliche Dopamin-Delle aus, um die charakteristischen Empfindungen auszulösen.
Für Frauen in den Wechseljahren, deren dopaminerges System durch die Hormonschwankungen ohnehin weniger stabil ist, fällt diese abendliche Dopamin-Delle tiefer aus. Das erklärt, warum RLS in dieser Lebensphase oft zum ersten Mal auftritt oder sich erheblich verschlimmert: Der Abend ist dann die Schnittstelle, an der ein geschwächtes Dopaminsystem auf seinen täglichen Tiefpunkt trifft.
Die zweite Ursache: Eisenmangel in der Perimenopause
Es gibt eine zweite, biologisch eigenständige Verbindung zwischen Wechseljahren und RLS, die oft übersehen wird: den Eisenmangel.
Eisen ist ein Kofaktor bei der Synthese von Dopamin. Vereinfacht gesagt: Ohne ausreichend Eisen kann das Gehirn nicht genug Dopamin produzieren. In Studien an Menschen mit RLS wurden systematisch niedrige Ferritin-Werte gefunden, selbst wenn der Hämoglobin-Wert, der Blutarmut anzeigt, normal war. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie empfiehlt für RLS-Betroffene einen Ferritin-Zielwert von mindestens 50 ng/ml; neuere Leitlinien setzen den Schwellenwert bei 75 µg/dl. In einer Auswertung der Deutschen Restless Legs Vereinigung hatten 83 Prozent der Betroffenen, bei denen ein Ferritin-Wert bestimmt worden war, Werte unter diesem Bereich.
Warum ist das für Frauen in der Perimenopause besonders relevant? In der Perimenopause werden die Zyklen oft unregelmäßig, und ein häufiges Muster sind stärkere oder längere Blutungen. Stärkere Menstruationsblutungen bedeuten mehr Eisenverlust. Gleichzeitig kann die in dieser Phase oft erhöhte Stressbelastung die Eisenaufnahme im Darm erschweren. Das Ergebnis ist ein schleichender Eisenmangel, der über den Ferritin-Wert messbar ist, aber im Standardblutbild lange unentdeckt bleibt, weil Hämoglobin als letztes fällt.
Die Verbindung ist direkt: Eisenmangel verschlechtert die Dopaminsynthese im Gehirn, und ein schlechteres dopaminerges System ist anfälliger für RLS. In der Perimenopause können hormonell bedingte Dopaminstörungen und eisenmangelbedingte Dopaminstörungen zusammenwirken, was erklärt, warum RLS in dieser Phase so häufig als neu oder deutlich verschlimmert beschrieben wird.
Was der Ferritin-Wert bedeutet und wie er gemessen wird
An dieser Stelle ein praktischer Hinweis: Wenn du wegen Schlafproblemen oder Beinkrämpfen zur Hausärztin gehst, wird sie wahrscheinlich ein Blutbild anfertigen lassen. Das enthält fast immer einen Hämoglobin-Wert, der Blutarmut anzeigt. Es enthält aber nicht automatisch einen Ferritin-Wert, und der Hämoglobin-Wert kann völlig normal sein, während Ferritin bereits deutlich zu niedrig ist.
Ferritin ist der Eisenspeicher des Körpers. Der Körper hält den Hämoglobin-Wert auf Kosten der Ferrtin-Speicher stabil, solange irgend möglich. Wer also ein normales Blutbild hat, aber trotzdem Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und RLS-Symptome, sollte explizit nach dem Ferritin-Wert fragen und dabei nachfragen, ob der Wert 75 ng/ml übersteigt.
Für die Interpretation: Ein Ferritin von 30 ng/ml liegt im formalen Labor-Referenzbereich, ist aber für das Nervensystem zu niedrig. Die neurologisch relevanten Schwellenwerte beginnen bei 50, besser bei 75 ng/ml.
Was bei RLS in den Wechseljahren hilft
Eisensubstitution bei nachgewiesenem Mangel
Wenn Ferritin unter 75 ng/ml liegt, ist die Substitution mit Eisenpräparaten der erste, oft unterschätzte Schritt. Oral lässt sich Eisen in Form von Eisensulfat oder Eisenglycinat nehmen, idealerweise auf nüchternen Magen mit Vitamin C, das die Aufnahme verbessert. Kaffee, Tee und Kalzium sollten nicht gleichzeitig eingenommen werden, weil sie die Aufnahme hemmen. Bei schwerer Erschöpfung der Speicher oder bei schlechter Verträglichkeit oraler Präparate kann eine Eiseninfusion erwogen werden. Eine systematische Übersichtsarbeit in den Cochrane Reviews (2019) zeigte, dass intravenöse Eiseninfusionen bei RLS-Betroffenen mit niedrigem Ferritin die Symptome deutlich reduzierten.
Schlafzeitpunkt, Schlafarchitektur und Licht
Da RLS-Symptome abends durch den Melatonin-Anstieg getriggert werden, der die Dopamin-Produktion dämpft, kann die Verschiebung des Schlafzeitpunkts auf einen Bereich helfen, in dem Dopamin noch etwas höher ist. Das klingt nach Haarspalterei, macht aber in der Praxis einen Unterschied: Wer mit RLS um 21 Uhr ins Bett geht und bis zwei Uhr zappelt, schläft mit RLS manchmal besser, wenn er erst um 23 Uhr ins Bett geht, wenn der Dopamin-Abfall sich stabilisiert hat. Abendliches Bildschirmlicht hingegen stört die Melatonin-Ausschüttung, was den Circadian-Effekt auf das Dopaminsystem verzögert und verschiebt.
Bewegung am richtigen Zeitpunkt
Moderate Bewegung am Nachmittag verbessert die Dopaminaktivität und kann RLS-Symptome abends abschwächen. Ein systematischer Review zu nicht-pharmakologischen RLS-Maßnahmen (veröffentlicht in Sleep and Biological Rhythms, 2021) fand Evidenz für die Wirksamkeit von regelmäßigem Bewegungsprogramm, Yoga und Stretching auf die Symptomhäufigkeit und Schlafqualität. Wichtig: intensive Belastung unmittelbar vor dem Schlafengehen kann die Symptome kurzfristig verstärken, weil das Nervensystem noch aktiviert ist.
Wärme und Kälte lokal
Viele Frauen berichten, dass warme Bäder oder Wärmekissen vor dem Schlafen die Symptome dämpfen. Andere beschreiben kalte Bäder oder Kühlpads als wirksamer. Die physiologische Erklärung: Temperaturreize konkurrieren mit den RLS-Empfindungen auf der Ebene der Hautrezeptoren und können die sensorische Übertragung kurzfristig normalisieren. Ein kleiner klinischer Versuch (veröffentlicht in Sleep Medicine, 2019) fand, dass Fußmassagen mit Wärmeapplikation bei RLS-Patientinnen die Symptomschwere signifikant reduzierten. Das ist keine Leitlinien-Therapie, aber eine sehr niedrigschwellige Maßnahme, die es wert ist, ausprobiert zu werden.
Auf Koffein, Alkohol und bestimmte Medikamente achten
Koffein und Alkohol können RLS verschlimmern, wobei die Empfindlichkeit stark individuell variiert. Was systematisch gilt: Antidepressiva vom SSRI-Typ, Metoclopramid (ein Mittel gegen Übelkeit), und ältere Antihistaminika können RLS deutlich auslösen oder verschlechtern. Wer nach Beginn einer neuen Medikation erstmals RLS-Symptome entwickelt, sollte das mit der verschreibenden Ärztin besprechen.
Hormontherapie: indirekt hilfreich, kein direktes RLS-Mittel
Hier ist Ehrlichkeit angebracht: Die Evidenz, dass eine Hormontherapie RLS direkt verbessert, ist gemischt. Eine Studie zu RLS-Prävalenz bei Frauen mit und ohne HRT fand keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Häufigkeit. Gleichzeitig gilt: HRT verbessert die Schlafqualität insgesamt bei Frauen mit Wechseljahresbeschwerden messbar, unter anderem, weil Hitzewallungen und Nachtschweiß als RLS-Trigger wegfallen. Wer wegen anderer Wechseljahresbeschwerden ohnehin eine HRT in Betracht zieht, sollte wissen, dass die RLS-Symptome möglicherweise mit bessern, wenn auch nicht garantiert.
Pharmakologische Optionen bei schweren Fällen
Wenn nicht-pharmakologische Maßnahmen und Eisensubstitution nicht ausreichen, gibt es medikamentöse Optionen. In Deutschland zugelassene Erstlinien-Medikamente bei RLS sind dopaminerge Wirkstoffe wie Ropinirol, Pramipexol oder Rotigotin (als Pflaster). Sie wirken unmittelbar und deutlich, haben aber ein spezifisches Langzeitrisiko: die sogenannte Augmentation, bei der die Symptome sich im Verlauf der Behandlung verschlechtern und auf frühere Tageszeiten ausweiten. Gabapentin und Pregabalin werden als Alternative empfohlen und haben kein Augmentations-Risiko, dürfen aber in Deutschland nicht mit der offiziellen Zulassung für RLS verschrieben werden, werden aber in der Praxis eingesetzt.
Diese Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig und erfordern eine Neurologie oder eine gut informierte Hausärztin. Die Entscheidung, wann pharmakologische Therapie sinnvoll ist, hängt davon ab, wie stark die Beeinträchtigung ist. Wer zwei- bis dreimal pro Woche mehrere Stunden Schlaf verliert, hat ein anderes Bild als jemand, bei dem die Symptome gelegentlich auftreten und durch Bewegung rasch klingen.
Was nicht hilft und oft trotzdem probiert wird
Magnesium ist das Mittel, das die meisten Betroffenen zuerst kaufen, weil Kribbeln und Zucken in den Beinen klassisch mit Magnesiummangel assoziiert werden. Für RLS gibt es kaum Belege, dass Magnesium wirkt. Einzelne kleine Studien zeigen Hinweise, aber keine ausreichende Evidenz für eine Empfehlung. Wenn ein Magnesiummangel nachgewiesen ist, lohnt es sich zu substituieren. Ohne Mangelnachweis ist die Wirkungserwartung aber gering.
Auch Einschlaftees, Baldrian und CBD zeigen keine konsistente Wirksamkeit bei RLS. Das bedeutet nicht, dass sie schaden, aber wer auf Linderung wartet, sollte sich nicht allein auf sie verlassen.
Abklärung: Was wirklich dahintersteckt
Bevor RLS den Wechseljahren zugeschrieben wird, müssen ein paar andere Ursachen ausgeschlossen werden.
Polyneuropathien durch Diabetes, langjährigen Alkoholkonsum oder Vitamin-B12-Mangel können sehr ähnliche Empfindungen in den Beinen erzeugen. Eine neurologische Untersuchung mit Nervenleitgeschwindigkeit kann das klären. Niereninsuffizienz ist eine häufige Begleiterkrankung bei RLS und muss bei entsprechendem Verdacht ausgeschlossen werden. Schilddrüsenunterfunktion verursacht ebenfalls Kribbeln und Erschöpfung in einer Lebensphase, in der auch die Wechseljahre anfangen.
Das Basislabor bei Verdacht auf RLS in den Wechseljahren sollte enthalten: Ferritin, Blutbild, TSH, HbA1c oder Nüchternblutzucker, Vitamin B12 (idealerweise Holotranscobalamin), Nierenwerte. Wenn all das unauffällig ist und die Symptome klassisch wirken, also abendlich, durch Bewegung lösbar, in Ruhe verstärkt, ist die Diagnose RLS mit hoher Wahrscheinlichkeit korrekt.
Was Claudia Brenner gemacht hat
Claudias Ferritin lag bei 31 ng/ml. Ihr Blutbild war normal. Ihre Hausärztin hätte dabei fast aufgehört, hätte Claudia nicht auf dem spezifischen Ferritin-Wert bestanden.
Sie begann mit oralen Eisenpräparaten und stellte gleichzeitig Kaffee nach 14 Uhr ab. Sie verlegte ihren Abendspaziergang von abends halb neun auf nachmittags halb fünf. Warme Bäder vor dem Schlafen halfen etwas, nicht vollständig. Nach sechs Wochen war der Ferritin-Wert auf 58 ng/ml gestiegen. Die Symptome hatten sich um etwa die Hälfte reduziert.
Vollständig verschwunden sind sie nicht. Sie hat einen Neurologen-Termin vereinbart, um die Diagnose formal zu bestätigen und die Frage zu klären, ob ein Dopamin-Agonist sinnvoll wäre. Was sich verändert hat: Sie weiß jetzt, womit sie es zu tun hat. Das ändert nichts an der Biologie, aber es macht den Unterschied zwischen dem Gefühl, etwas Bedrohliches nicht einordnen zu können, und dem Verständnis, dass das Nervensystem auf eine hormonelle Umgebung reagiert, die sich verändert hat.
Was du daraus mitnehmen kannst
Das Restless-Legs-Syndrom tritt bei Frauen in den Wechseljahren häufiger auf als in anderen Lebensphasen, und der Zusammenhang ist biologisch plausibel: Östrogen unterstützt das dopaminerge System, das bei RLS gestört ist, und die Perimenopause destabilisiert genau dieses System durch Hormonschwankungen. Gleichzeitig erhöhen stärkere Menstruationsblutungen in der Perimenopause das Risiko eines Eisenmangels, der seinerseits die Dopaminsynthese beeinträchtigt.
Bevor irgendeine Therapie beginnt, braucht es den Ferritin-Wert. Nicht den Hämoglobin-Wert, nicht das allgemeine Blutbild allein, sondern Ferritin. Ein Wert unter 75 ng/ml ist bei RLS behandlungswürdig, unabhängig davon, ob das Labor das schon als Mangel markiert.
Nächtliches Kribbeln und Beinzappeln in den Wechseljahren sind kein Kleinkram und keine Einbildung. Sie sind Ausdruck eines Nervensystems, das auf veränderte Hormonbedingungen reagiert, und in vielen Fällen lässt sich diese Reaktion erheblich dämpfen, wenn man an den richtigen Stellen ansetzt.
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei ausgeprägten oder anhaltenden Beschwerden sollte eine Hausärztin oder Neurologin aufgesucht werden.
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