Verhütung in den Wechseljahren: Wie lange du noch verhüten musst

Verhütung in den Wechseljahren: Wie lange du noch verhüten musst

Im Jahr 2020 kamen in Deutschland 773.144 Kinder zur Welt. 2.460 davon hatten eine Mutter zwischen 45 und 49 Jahren, 186 eine Mutter ab 50. Die Zahlen nennt eine Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt von 2023 unter Berufung auf die Geburtenstatistik (Schaudig und Schwenkhagen, Ärzteblatt PP 2023). Das klingt nach wenig. Die Autoren warnen aber selbst davor, die Zahl für die ganze Wahrheit zu halten.

Der Grund: In so eine Statistik geht nur ein, was ausgetragen wurde. Bei Frauen über 45 enden laut derselben Quelle etwa 75 Prozent oder mehr der Schwangerschaften als Fehlgeburt, und viele davon werden gar nicht bemerkt, sondern für eine unregelmäßige Blutung gehalten. Hinzu kommt, dass ein Großteil der Frauen in dieser Altersgruppe sehr wohl verhütet. Die niedrige Geburtenzahl sagt also wenig darüber, wie fruchtbar jemand noch ist, der nicht verhütet. Dazu passt die Abbruchstatistik, die der Beitrag ebenfalls auswertet: Von rund 100.000 Schwangerschaftsabbrüchen im Jahr 2021 entfielen 7.300 auf Frauen von 40 bis 45, 580 auf 45- bis 50-Jährige und 16 auf Frauen über 50. Nach Destatis waren 2025 insgesamt 9 Prozent der Frauen mit Abbruch 40 Jahre oder älter (Destatis 2026).

Wann also ist Schluss mit der Verhütung? Das ist schwerer festzulegen, als es klingt. Hier steht, woran das liegt, welche Methoden ab 40 passen und wer sie bezahlt.

Fruchtbar bis zur letzten Blutung, und manchmal darüber hinaus

Die Fruchtbarkeit nimmt ab 40 deutlich ab, endet aber nicht an einem Stichtag. Die britische Fachgesellschaft FSRH schreibt in ihrer Leitlinie zur Verhütung bei Frauen über 40: Spontane Schwangerschaften sind nach dem 50. Geburtstag selten, Verhütung ist aber so lange nötig, bis die Menopause erreicht ist (FSRH 2017).

Warum man nicht einfach "ab 47 geht nichts mehr" sagen kann, liegt an der Perimenopause selbst. Die Eierstöcke fahren nicht langsam herunter wie ein Dimmer, sie arbeiten unregelmäßig. Die Ärzteblatt-Autoren beschreiben Zyklen mit Eisprung neben Zyklen ohne, und sogar Eisprünge zur Zeit der Blutung selbst. Bei längeren Pausen ohne Periode lässt sich nicht vorhersagen, ob die Menopause schon da ist oder ob noch einmal ein Follikel reift. Der durchschnittliche Zeitraum dieser Übergangsphase beträgt laut FSRH um die vier Jahre, mit großer Streuung. Was in dieser Zeit körperlich passiert, steht ausführlich in Perimenopause: Was im Körper passiert.

Das mittlere Menopausealter liegt in westlichen Ländern bei 50 bis 52 Jahren. Rechnerisch blutet die Hälfte der Frauen auch nach dem 51. Geburtstag noch und kann theoretisch einen Eisprung haben.

Wie lange verhüten? Die Faustregel mit Quelle

Die Regel, die sich in Leitlinien und Fachartikeln findet, ist einfach:

  • Ab 50 Jahren: Verhütung weiterführen, bis die Periode 12 Monate am Stück ausgeblieben ist.
  • Unter 50 Jahren: 24 Monate ohne Periode abwarten.
  • Mit 55: Die FSRH hält es für vertretbar, in jedem Fall aufzuhören, weil spontane Schwangerschaften nach diesem Alter außergewöhnlich selten sind, auch bei Frauen mit noch vorhandener Blutung.

Die 12- und 24-Monats-Regel taucht sowohl in der FSRH-Leitlinie als auch in einem Überblick im Canadian Medical Association Journal auf, jeweils für Frauen ohne hormonelle Verhütung (Überblick im CMAJ, 2013). Das Ärzteblatt nennt dieselbe Faustregel. Die Regel gilt für die spontane Blutung. Wer hormonell verhütet, kann sie nicht anwenden, weil Pille, Hormonspirale oder Stäbchen die Blutung verändern oder ganz ausbleiben lassen. Dann zählt das Alter, und im Zweifel entscheidet die Frauenärztin mit dir gemeinsam.

Eine längere Pause ohne Periode ist in der Perimenopause normal und kein Freifahrtschein. Wer sechs Monate nichts hatte und dann wieder blutet, hat die Uhr auf null gestellt. Wie sich Blutungsmuster in dieser Phase verändern und welche abgeklärt werden sollten, steht in Blutungen in der Perimenopause.

Warum FSH-Test und Zyklus-App nicht helfen

Die naheliegende Idee: Ich lasse meine Hormone messen, dann weiß ich, ob ich noch fruchtbar bin. Das funktioniert nicht, und dazu sind sich die Quellen ziemlich einig.

Die FSRH schreibt, FSH- und LH-Werte könnten irreführend sein und sollten nicht die Grundlage für den Rat sein, die Verhütung zu beenden, weil weiterhin ein Eisprung mit Schwangerschaftsrisiko stattfinden kann. Das Ärzteblatt formuliert es ähnlich: Weder FSH noch AMH noch Inhibin erlauben eine Aussage darüber, ob noch einzelne Follikel reifen können. FSH schwankt von Zyklus zu Zyklus, ein einzelner hoher Wert beweist nichts. Wer die Pille oder ein anderes hormonelles Verhütungsmittel mit Östrogen nimmt, hat ohnehin unterdrückte Werte. Eine Bestimmung ist dann sinnlos. Welche Selbsttests sonst etwas taugen, haben wir in Wechseljahre-Test online sortiert.

Als einzige Hilfe nennt das Ärzteblatt einen Ultraschall der Eierstöcke, der zeigt, ob noch Follikel sichtbar sind, und auch das nur "allenfalls". Im Zweifel, so die Autoren, führt man die Verhütung weiter.

Zyklus-Apps und Temperaturmessung scheitern am gleichen Punkt wie die Kalendermethode: Sie brauchen einen halbwegs regelmäßigen Zyklus. Natürliche Familienplanung ist in dieser Lebensphase nach Einschätzung der Ärzteblatt-Autoren häufig problematisch, weil die Zyklen unregelmäßig und schwer zu überwachen sind. Ich halte keine App, die einen Eisprung vorhersagt, hier für verlässlich: Sie rechnet mit Mustern, die es in der Perimenopause nicht mehr gibt.

Welche Methoden passen ab 40?

Entscheidend ist, was zu deinem Risikoprofil und deinen Beschwerden passt. Laut einer BZgA-Befragung, die das Ärzteblatt zitiert, verhüten Frauen zwischen 40 und 49 so: etwa 39 Prozent mit der Pille, 34 Prozent mit Kondom, 20 Prozent mit Spirale (überwiegend Hormonspirale) und 13 Prozent über Sterilisation.

Hormonspirale (Levonorgestrel-IUS). Sie wirkt vor allem über das Endometrium, nicht über Eisprung-Unterdrückung, und hat laut Ärzteblatt den geringsten Einfluss auf die Eierstockfunktion. Bei vielen Frauen werden die Blutungen schwächer oder bleiben ganz aus, ein Vorteil bei den starken Blutungen der Perimenopause. Nach FSRH sind alle 52-mg-Spiralen für 8 Jahre zur Verhütung zugelassen. Wer sie ab 45 einsetzen lässt, kann sie nach Empfehlung der FSRH bis zum 55. Lebensjahr drinlassen. Kupferspirale. Hormonfrei, daher interessant für Frauen mit Gefäßrisiken oder dem Wunsch nach null Hormonen. Das Ärzteblatt weist darauf hin, dass sie bei bestehenden Blutungsstörungen kontraproduktiv sein kann, weil sie Blutungen eher verstärkt. Nach FSRH darf eine Kupferspirale mit mindestens 300 mm² Kupfer, die ab 40 eingesetzt wurde, bis ein Jahr nach der letzten Periode (ab 50) beziehungsweise zwei Jahre danach (unter 50) liegen bleiben. Eine Spirale sollte danach nicht unbegrenzt im Körper bleiben, weil sie ein Infektionsherd werden kann. Gestagen-Mono-Pille und Implantat. Die AWMF-Leitlinie zur Empfängnisverhütung, auf die sich das Ärzteblatt stützt, hält Gestagen-Monopräparate bei vaskulären Risiken in der Regel für anwendbar. Gemeint sind die Pillen mit 75 Mikrogramm Desogestrel oder 4 Milligramm Drospirenon sowie das Stäbchen mit Etonogestrel, das drei Jahre im Oberarm liegt. Ausnahme ist die Dreimonatsspritze, die mit einem etwas erhöhten vaskulären Risiko verbunden ist. Nicht verwechseln darfst du das mit der klassischen "Minipille": Sie unterdrückt den Eisprung nur etwa in der Hälfte der Fälle und hat laut Ärzteblatt einen deutlich schlechteren Pearl-Index. Und: Mikronisiertes Progesteron, wie es in der Hormontherapie verwendet wird, ist als Verhütungsmittel nicht geeignet. Kondom. Wirkt unabhängig von Alter und Hormonstatus und schützt als einzige hier genannte Methode vor Geschlechtskrankheiten. Wer eine neue Partnerschaft hat, sollte das nicht vergessen. Sterilisation. Bei Frau oder Mann möglich und endgültig. Die FSRH weist darauf hin, dass sie die Periode nicht verändert. Wer vorher hormonell verhütet hat, sieht nach dem Absetzen oft ein anderes Blutungsmuster, das dann nicht an der Sterilisation liegt. Natürliche Familienplanung gilt in dieser Phase wie oben beschrieben als schwierig.

Die kombinierte Pille: wo das Thromboserisiko liegt

Die Pille mit Östrogen und Gestagen verträgt sich mit dem Alter schlechter. Das Ärzteblatt schreibt, dass das Risiko für Thrombosen und Herz-Kreislauf-Ereignisse in der Altersgruppe ohnehin ansteigt und durch kombinierte Präparate verstärkt wird, besonders bei Rauchen, Bluthochdruck oder Übergewicht. Das gilt auch für Vaginalring und Pflaster.

Konkrete Grenzen setzt die BfArM-Checkliste, die der Artikel zitiert: Bei mehr als einem der Risikofaktoren (BMI über 30, Alter über 35, Rauchen, Blutdruck ab 140/90, Thrombosen in der Familie, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankung und weitere) sollen kombinierte Präparate nicht verordnet werden. Weil das Alter über 35 allein schon einen Punkt bringt, reicht ab dann ein einziger weiterer Faktor. Die FSRH rät Raucherinnen zusätzlich, die kombinierte Pille mit 35 abzusetzen. Für Frauen mit Migräne mit Aura, einer anderen Risikoquelle, lohnt sich auch Migräne in den Wechseljahren.

Verboten ist die Pille ab 40 deshalb nicht. Wer gesund ist, nicht raucht und einen normalen Blutdruck hat, kann sie nach ärztlicher Prüfung weiternehmen. Die FSRH sieht bei Frauen unter 50 sogar einen Nutzen: Die Pille kann Wechseljahresbeschwerden lindern und den Knochenverlust bremsen. Wer unsicher ist, hat mit den Gestagen-Methoden eine gute Alternative.

Hormonspirale als Teil der Hormontherapie

Wer wegen Hitzewallungen oder Schlafproblemen eine Hormontherapie beginnt, braucht bei vorhandener Gebärmutter zum Östrogen ein Gestagen als Schutz für die Schleimhaut. Eine 52-mg-Hormonspirale kann diese Aufgabe übernehmen und gleichzeitig verhüten. Die FSRH sagt dazu: Sie darf mit Östrogen bis zu fünf Jahre als Endometriumschutz verwendet werden und muss dann gewechselt werden, die Zulassung für diesen Zweck beträgt vier Jahre. Wird sie nur zur Verhütung eingesetzt, gilt die längere Frist.

Die Hormontherapie selbst verhütet nicht. Die FSRH rät Frauen mit zyklischer (sequenzieller) Hormontherapie ausdrücklich, sich nicht darauf zu verlassen. Der Ärzteblatt-Beitrag beschreibt außerdem eine Variante, bei der in der Perimenopause erst ein Gestagen allein oder die Spirale die Schwankungen glättet und später bei Bedarf Östradiol ergänzt wird, bei Gefäßrisiken als Gel, Pflaster oder Spray statt als Tablette, weil nur orales Östradiol und Ethinylestradiol die Gerinnung fördern. Ob eine Hormontherapie für dich passt, steht in HRT 2026: Was wirklich zählt und in Hormontherapie in den Wechseljahren: Risiken. Warum Progesteron und Östrogen unterschiedlich wirken, erklärt Progesteron und Östrogen im Vergleich.

Was zahlt die Kasse?

Kurz: Ab 22 nichts. Nach § 24a SGB V haben Versicherte bis zur Vollendung des 22. Lebensjahres Anspruch auf verschreibungspflichtige Verhütungsmittel (§ 24a SGB V). Die Krankenkassen betonen das auch in ihren Informationen, zum Beispiel die AOK. Pille, Spirale, Stäbchen und Sterilisation bezahlst du in der Perimenopause deshalb in der Regel selbst.

Eine Einschätzung noch dazu: Wird die Hormonspirale wegen starker Blutungen oder als Gestagenanteil einer Hormontherapie verordnet, ist das medizinisch eine Behandlung und nicht Verhütung. Ob und wie die Kasse dann zahlt, hängt von der Diagnose und der Praxis ab und sollte vor dem Einsetzen geklärt werden. Das gilt auch für alle Fragen rund um die Sterilisation.

Was ich daraus mache

Wenn du nicht schwanger werden willst und noch Blutungen hast, verhüte weiter. Wenn du aufhören willst, rechne ab 50 mit zwölf Monaten ohne Periode, darunter mit 24, und zähle bei hormoneller Verhütung nicht auf die Blutung. Ein Hormontest ändert daran nichts. Die ehrlichste Antwort auf "schwanger trotz Wechseljahre?" lautet: Ja, möglich, selten und umso schwieriger zu erkennen, je unregelmäßiger der Zyklus wird. Wer das Risiko minimieren will, nimmt eine Methode, die nicht von der Regelmäßigkeit abhängt, und die Hormonspirale ist in dieser Lebensphase aus meiner Sicht die vielseitigste, weil sie Blutungen und Verhütung zugleich löst.

Dieser Artikel gibt den Stand der zitierten Quellen im Oktober 2026 wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Geburtenzahlen beziehen sich auf 2020, die Zahlen zu Schwangerschaftsabbrüchen aus der Quelle auf 2021.

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