Wechseljahre Muskelschwaeche: Warum du nicht mehr die Kraft von frueher hast (und was dagegen wirklich hilft)

Wechseljahre Muskelschwaeche: Warum du nicht mehr die Kraft von frueher hast (und was dagegen wirklich hilft)

Sie ist 52, joggt seit fünfzehn Jahren zweimal die Woche eine kleine Runde durch den Stadtpark, hat nie geraucht, trinkt ein Glas Wein am Wochenende und dachte, sie tut alles richtig. Ihre Freundinnen sagen ihr das seit Jahren. Du bist die Sportlichste von uns. Du siehst aus wie Mitte vierzig. Und dann steht sie an einem Samstagmorgen im Aldi an der Kasse, hebt die volle Einkaufstüte mit den beiden Mineralwasserkisten und den Kartoffeln vom Band, und ihr Arm sackt ab. Sie stellt die Tüte wieder ab, greift mit beiden Händen, geht zwei Schritte in Richtung Ausgang, muss zwischendurch noch einmal absetzen. Die Frau hinter ihr in der Schlange sieht sie mit dem Blick an, den man sonst für Rentnerinnen reserviert.

Sie geht ins Auto, verstaut die Tüten, setzt sich auf den Fahrersitz und schließt die Augen. Vor einem Jahr hat sie diese Tüte einhändig getragen, das weiß sie noch genau. Sie hat sie damals sogar noch die drei Stockwerke ohne Aufzug hochgeschleppt. Jetzt braucht sie zwei Hände und muss zwischen der Kasse und dem Auto pausieren.

In den Wochen danach sammelt sie weitere kleine Beobachtungen. Sie kommt aus der Hocke im Garten nur noch hoch, wenn sie sich an einem Beet abstützt. Beim Aufstehen aus dem Sofa braucht sie plötzlich Schwung. Die zweite Treppenetage im Bürogebäude, die sie sonst zügig genommen hat, kommt ihr steiler vor. Und beim Joggen läuft sie zwar noch dieselbe Runde, aber am Ende der zweiten Kilometer merkt sie ein Ziehen in den Oberschenkeln, das sie früher nicht kannte.

Sie geht zu ihrem Personal Trainer, den sie sich vor drei Jahren für ein paar Stunden Grundlagentraining geleistet hatte. Er hört ihr zu, drückt an ihren Oberschenkeln, lässt sie in die Kniebeuge gehen, misst ihre Handkraft mit einem Dynamometer, das er in der Werkzeugkiste liegen hat. Er guckt auf den Wert, guckt sie an, sagt: neunzehn Kilo. Vor drei Jahren waren das siebenundzwanzig. Er legt das Gerät weg und sagt: was du hast, hat einen Namen. Das ist Sarkopenie. Muskelabbau. Und bei Frauen in deinem Alter wird das oft nicht diagnostiziert, weil ihr in den Praxen mit anderen Wechseljahre-Themen ankommt und keiner an die Muskeln denkt.

Sie geht nach Hause, googelt "sarkopenie frauen wechseljahre", und findet innerhalb einer Stunde die Antwort darauf, warum eine sportliche Frau in einem einzigen Jahr acht Kilo Handkraft verliert. Es ist nicht die Faulheit. Es ist nicht der Zufall. Es ist ein hormonell getriebener Umbau, der bei jeder zweiten Frau in ihrer Lebensphase passiert und den kaum eine bemerkt, bevor der erste sichtbare Kraftverlust da ist.

Was Sarkopenie eigentlich ist

Der Begriff Sarkopenie kommt aus dem Griechischen und heißt wörtlich "Fleischverlust". Klinisch beschreibt er eine Abnahme der Skelettmuskelmasse und Muskelkraft, die über das hinausgeht, was durch normales Altern zu erwarten wäre. Die europäische Fachgesellschaft European Working Group on Sarcopenia in Older People, kurz EWGSOP2, hat 2018 die aktuell gültige Definition festgelegt. Sarkopenie liegt dann vor, wenn drei Kriterien erfüllt sind: reduzierte Muskelkraft (etwa gemessen als Handkraft unter 27 Kilogramm bei Frauen), reduzierte Muskelmasse (etwa gemessen per DXA-Scan als appendikuläre Muskelmasse unter 15 Kilogramm bei Frauen) und reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit (etwa Gehgeschwindigkeit unter 0,8 Meter pro Sekunde).

Wer nur eines der Kriterien erfüllt, hat "probable Sarkopenie" und sollte weiter abgeklärt werden. Wer zwei erfüllt, hat "bestätigte Sarkopenie". Wer alle drei erfüllt, hat eine "schwere Sarkopenie" und ein deutlich erhöhtes Risiko für Stürze, Frakturen, Krankenhausaufenthalte und Pflegebedürftigkeit im Alter.

Was viele Frauen nicht wissen: Sarkopenie ist keine Alterserkrankung, die erst mit siebzig oder achtzig beginnt. Die neuere Forschung zeigt, dass der Prozess bei Frauen fast immer in den Wechseljahren startet. Nur bemerkt es kaum eine, weil der frühe Kraftverlust unspezifisch ist. Man wird ein bisschen langsamer, die Kiste Wasser fühlt sich schwerer an, das Sofa lässt sich mit fünfzig nicht mehr so leicht verlassen wie mit vierzig. Die meisten Frauen schreiben das der Lebensphase zu und ändern nichts. Genau das ist der Fehler, denn der Muskelabbau ist eines der wenigen Wechseljahre-Themen, bei denen du mit ein bisschen Handeln fast alles rückgängig machen kannst.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung formuliert es in ihrer Fortbildungsreihe so: Sarkopenie ist ein progressiver, generalisierter Verlust an Skelettmuskelmasse und Muskelfunktion mit erhöhtem Risiko für Behinderung, Stürze und vorzeitigen Tod. Die gute Nachricht dieser Definition steckt in der Kombination von "progressiv" und "erhöhtem Risiko". Progressiv heißt: es geht in eine Richtung, aber es ist kein akutes Ereignis. Erhöhtes Risiko heißt: das Risiko lässt sich modifizieren.

Wie häufig das in den Wechseljahren wirklich ist

Die Zahlen zum Muskelabbau bei Frauen in der Übergangsphase kommen aus mehreren großen Kohortenstudien, die in den letzten Jahren fast alle in eine Richtung zeigen. Zwischen dem vierzigsten und dem sechzigsten Lebensjahr verliert die durchschnittliche Frau zwischen drei und acht Prozent ihrer Muskelmasse pro Dekade. Das klingt harmlos, ist es aber nicht, weil sich die Rate in den Wechseljahren beschleunigt.

Die belastbarste Datenquelle dazu ist die Study of Women's Health Across the Nation, kurz SWAN, eine US-amerikanische Multiethno-Kohortenstudie, die knapp 1.300 Frauen mit DXA-Ganzkörperscans vom Beginn der Perimenopause bis in die späte Postmenopause verfolgt hat. Die zentralen Befunde: Vor der Perimenopause nimmt die Muskelmasse einer durchschnittlichen Frau leicht zu, um etwa 0,2 Prozent pro Jahr. Mit dem Beginn der Menopausen-Übergangsphase kippt die Bilanz. Die Muskelmasse sinkt ab diesem Punkt jährlich um 0,2 Prozent absolut, und weil parallel Fettmasse zunimmt, sinkt der prozentuale Anteil der Muskelmasse am Gesamtgewicht sogar um 0,6 Prozent pro Jahr. Über die dreieinhalb Jahre um die letzte Regelblutung herum bedeutet das im Durchschnitt einen Verlust von rund einem Prozent Muskelmasse und knapp zwei Prozent an prozentualem Muskelanteil.

Das sind Durchschnittswerte, und wie bei den meisten Wechseljahre-Zahlen ist die Streuung erheblich. Frauen, die viel Krafttraining machen, verlieren in derselben Zeit deutlich weniger oder halten die Masse sogar. Frauen, die vorher wenig Bewegung hatten und in dieser Phase ihre Aktivität weiter reduzieren, verlieren doppelt so viel. Eine große Übersichtsarbeit im Frontiers in Endocrinology hat 2024 die vorhandenen Studien zusammengefasst und kommt auf einen postmenopausalen Muskelmasseverlust von durchschnittlich 0,6 Prozent pro Jahr, mit einer Spanne bis 1,5 Prozent bei besonders inaktiven Frauen.

Der Kraftverlust ist noch deutlicher. Muskelkraft und Muskelmasse hängen nicht eins zu eins zusammen, und die Kraft nimmt schneller ab als die Masse. Verschiedene Longitudinalstudien schätzen den jährlichen Verlust an Muskelkraft bei Frauen in der Perimenopause auf 1,5 bis 3 Prozent pro Jahr, im Vergleich zu 1 Prozent in der Prämenopause. Das ist der Wert, der die Alltagsprobleme erklärt. Wenn du mit fünfzig noch eine Handkraft von 32 Kilogramm hattest und drei Jahre später nur noch 26, hast du in einem Zeitraum von 36 Monaten fast zwanzig Prozent verloren. Für eine Kiste Mineralwasser fehlen dir dann genau die 6 Kilo.

Wie viele Frauen davon klinisch betroffen sind, hängt davon ab, welche Definition man anlegt. Nach den EWGSOP2-Kriterien liegt die Prävalenz der bestätigten Sarkopenie bei Frauen zwischen 50 und 60 Jahren bei etwa 8 bis 15 Prozent, bei Frauen zwischen 60 und 70 zwischen 15 und 25 Prozent. Zählt man die "probable Sarkopenie" mit, also die Frauen mit reduzierter Handkraft ohne dass zusätzlich Muskelmasse oder Leistung objektiviert wurden, kommen einige aktuelle Übersichtsarbeiten auf Zahlen von 20 bis 30 Prozent in der frühen Postmenopause. Das heißt: jede vierte bis fünfte Frau in ihrer Lebensphase hat einen klinisch relevanten Muskelabbau, ohne dass es je diagnostiziert worden wäre.

Warum es in den Wechseljahren beschleunigt passiert

Die Antwort auf die Frage, warum sich der Muskelabbau in genau dieser Lebensphase beschleunigt, ist inzwischen mechanistisch gut verstanden. Es sind vier Faktoren, die zusammenwirken.

Erstens: Östrogen und der Östrogenrezeptor Alpha in der Muskelzelle. In den Skelettmuskelfasern sitzen zwei Typen von Östrogenrezeptoren, ER-alpha und ER-beta. Der ER-alpha reguliert die Regeneration von Muskelfasern nach Belastung, die Aktivität der sogenannten Satellitenzellen (die Stammzellen der Muskulatur) und die Sensitivität der Muskeln auf anabole Reize wie Training und Proteinzufuhr. Wenn der Östrogenspiegel in der Perimenopause abfällt, verlangsamt sich die Regeneration, die Satellitenzellen werden träger, und der Muskel reagiert weniger stark auf Reize, die vorher zuverlässig Muskelaufbau ausgelöst hätten. In einer viel zitierten Arbeit haben Sipilä und Kolleginnen gezeigt, dass Östrogen den Muskeltranskriptom-Erhalt in der frühen Postmenopause schützt, wenn zu diesem Zeitpunkt mit einer Hormontherapie begonnen wird. Das ist die molekulare Erklärung für einen klinischen Effekt, den die HRT-Studien seit Jahren zeigen.

Zweitens: Der langsame Abfall des Testosterons. Anders als beim Östrogen, das mit dem Erreichen der Menopause um bis zu 90 Prozent einbricht, sinkt der Testosteronspiegel bei Frauen kontinuierlich und langsam. Zwischen dem vierzigsten und dem sechzigsten Lebensjahr nimmt das freie Testosteron im Durchschnitt um rund 30 Prozent ab, weil die Nebennieren und die Eierstöcke gemeinsam weniger produzieren und weil das Bindeprotein SHBG mit zunehmendem Alter mehr Testosteron unschädlich macht. Testosteron ist bei Frauen zwar quantitativ zehnmal geringer vertreten als bei Männern, aber es wirkt in derselben Richtung: es fördert Muskelproteinsynthese, Muskelkraft und Sehnenqualität. Eine japanische Kohortenstudie an über 700 Frauen zeigt, dass niedriges freies Testosteron unabhängig mit einem Verlust an appendikulärer Muskelmasse assoziiert ist. Der Doppelschlag aus Östrogen- und Testosteronabfall trifft die Muskulatur an zwei Achsen gleichzeitig.

Drittens: Die Reduktion des Wachstumshormons und des Insulin-like Growth Factor 1. Growth Hormone und IGF-1 sind die zentralen anabolen Signalwege für den Muskelaufbau. Beide gehen ab dem vierzigsten Lebensjahr kontinuierlich zurück, bei Frauen mit einer zusätzlichen Beschleunigung in der Perimenopause, weil Östrogen die Freisetzung von Wachstumshormon aus der Hypophyse mitreguliert. Das Ergebnis ist ein Muskel, dem seine wichtigsten Wachstumsreize aus dem Hormonsystem fehlen.

Viertens: Die postmenopausale Insulinresistenz. Mit dem Östrogenabfall verändert sich die Fettverteilung Richtung viszerales Bauchfett, und viszerales Fett produziert entzündungsfördernde Signalstoffe, die die Insulinwirkung in der Muskulatur abschwächen. Insulin ist selbst ein anaboles Hormon für den Muskel, und Insulinresistenz reduziert die Fähigkeit der Muskelzelle, Aminosäuren aus dem Blut aufzunehmen und für Muskelaufbau zu verwenden. Das ist der Mechanismus, warum Frauen mit Bauchfett und beginnender Insulinresistenz auch bei ausreichender Proteinzufuhr weniger Muskeln aufbauen als schlankere Gleichaltrige.

Zu diesen vier Kernmechanismen kommt eine ganze Reihe indirekter Faktoren. Schlafmangel in der Perimenopause reduziert die nächtliche Wachstumshormon-Ausschüttung. Die chronisch niedriggradige Entzündung, die sich in dieser Lebensphase aufbaut, hemmt die Muskelproteinsynthese. Und die zunehmende Neigung zu Schmerzen am Bewegungsapparat, die wir im Artikel über das Musculoskeletal Syndrome of Menopause beschrieben haben, reduziert bei vielen Frauen die Bewegungsmenge und damit den wichtigsten Erhaltungsreiz für die Muskulatur.

Wie sich Muskelschwäche im Alltag zeigt

Wenn der Muskelabbau in den Wechseljahren eine ärztlich anerkannte Diagnose wäre und Frauen darauf hin gescreent würden, gäbe es einen kurzen Fragenkatalog, mit dem sich die ersten Symptome erkennen ließen. Er würde ungefähr so aussehen.

Kannst du den vollen Wocheneinkauf mit einer Hand vom Auto in die Wohnung tragen, ohne abzusetzen? Wenn ja, alles im grünen Bereich. Wenn nein, ist das ein früher Hinweis auf reduzierte Griffkraft und Rumpfkraft.

Kommst du aus der tiefen Hocke ohne Abstützen wieder hoch? Wenn ja, ist deine Beinkraft in Ordnung. Wenn du dich abstützen musst, hast du wahrscheinlich schon einen relevanten Verlust an Quadrizeps- und Glutealmuskulatur.

Kannst du aus einem tiefen Sofa aufstehen, ohne Schwung zu nehmen und ohne die Armlehne zu benutzen? Wenn nein, ist das dasselbe Signal.

Wie lange brauchst du für eine Etage Treppe? Wenn du merkst, dass sie dich anstrengt oder dass du langsamer wirst, kann das an der Ausdauer liegen, aber häufiger ist es reduzierte Beinkraft.

Fühlt sich dein Kind oder Enkelkind schwerer an, wenn du es hochhebst, als vor zwei Jahren, obwohl es kaum zugenommen hat? Klassische Beobachtung, an die viele Frauen sich noch erinnern.

Musst du Marmeladengläser inzwischen bei jemandem öffnen lassen, den du früher nicht gefragt hast? Feinmotorische Griffkraft ist einer der frühen Verlustbereiche und einer der leichtesten zu übersehen.

Bist du in den letzten zwei Jahren einmal ohne erkennbaren Grund gestolpert oder gestürzt? Erhöhtes Sturzrisiko ist eine der ernsteren Konsequenzen von reduzierter Beinkraft und reduzierter posturaler Kontrolle.

Wenn du bei diesen sieben Fragen an drei oder mehr Stellen mit Ja antwortest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bei dir bereits ein klinisch relevanter Muskelabbau begonnen hat. Das ist keine Katastrophe, weil sich das Bild in fast allen Fällen umkehren lässt. Aber es ist der Zeitpunkt, an dem Warten die falsche Strategie ist.

Diagnose: Wie es sich sauber feststellen lässt

Die Standarddiagnostik der Sarkopenie steht auf drei Beinen: Handkraftmessung, Muskelmasse-Messung und Funktionstest. Die praktische Umsetzung sieht in Deutschland leider so aus, dass keiner dieser Tests zur regulären Vorsorge gehört und die wenigsten Hausarztpraxen sie routinemäßig anbieten. Aber es lohnt sich, jeden der drei einmal machen zu lassen, gerade weil sie zusammen ein sehr klares Bild geben.

Der einfachste und billigste Test ist die Handkraftmessung mit einem Hydraulikdynamometer, meistens der Jamar-Handdynamometer. Du sitzt aufrecht, der Ellbogen liegt am Körper, der Unterarm ist neutral, du drückst so fest du kannst für ein paar Sekunden. Der beste Wert aus drei Versuchen zählt. Nach den EWGSOP2-Kriterien liegt der Schwellenwert für Frauen bei 27 Kilogramm. Alles darunter gilt als reduzierte Kraft und ist ein Verdachtsbefund für Sarkopenie. Die Deutsche Nationalkohorte, kurz NAKO, hat auf Basis von über 200.000 gemessenen Erwachsenen etwas differenziertere populationsbezogene Referenzwerte veröffentlicht, mit einem 20. Perzentil bei Frauen zwischen 45 und 54 Jahren von etwa 26,5 Kilogramm. Wer dauerhaft unter dem eigenen Alters- und Geschlechtsdurchschnitt liegt, sollte den Wert ernst nehmen. Ein Dynamometer kostet für den Hausgebrauch zwischen 30 und 80 Euro, viele Personal Trainer und Physiotherapeutinnen haben eins, und in einigen Apotheken und Sportmedizin-Praxen kannst du kostenlos oder für ein paar Euro messen lassen.

Die Muskelmasse wird üblicherweise per DXA-Ganzkörperscan bestimmt, also derselben Untersuchung, die auch die Knochendichte misst. Der wichtigste Wert dabei ist die appendikuläre Muskelmasse, also die Muskelmasse in Armen und Beinen. Bei Frauen liegt der Schwellenwert der EWGSOP2 bei 15 Kilogramm absolut oder unter 6 Kilogramm pro Quadratmeter Körpergröße. Ein DXA-Scan kostet in Deutschland als Selbstzahlerleistung zwischen 80 und 150 Euro, wird bei bestehendem Osteoporoserisiko manchmal von der Kasse übernommen und lohnt sich als Baseline-Messung, wenn du deinen Muskelstatus dauerhaft beobachten möchtest. Wenn ein DXA nicht verfügbar ist, geben moderne BIA-Waagen (Bioimpedanzanalyse) einen brauchbaren Schätzwert, sind aber deutlich ungenauer, besonders bei Wasserhaushaltsveränderungen.

Der Funktionstest ist meist einer von drei Standardtests: Gehgeschwindigkeit über 4 Meter (Cutoff 0,8 Meter pro Sekunde), Chair-Rise-Test (fünfmal aus einem Stuhl aufstehen ohne Armlehnen, Cutoff über 15 Sekunden) oder Short Physical Performance Battery (kombinierter Test aus Gleichgewicht, Gehstrecke und Chair-Rise). Für den Alltag zu Hause reicht der Chair-Rise-Test. Du setzt dich auf einen stabilen Stuhl ohne Armlehnen, verschränkst die Arme vor der Brust, stellst dich fünfmal möglichst zügig hin und wieder hin. Wenn du dafür länger als 15 Sekunden brauchst, gilt das als Hinweis auf reduzierte funktionelle Kraft.

Bevor eine Sarkopenie-Diagnose gestellt wird, sollten außerdem andere Ursachen für Muskelschwäche ausgeschlossen werden. Vitamin-D-Mangel kann Muskelschwäche verursachen und ist bei Frauen über fünfzig extrem häufig. Vitamin-B12-Mangel führt neben Blutbildveränderungen auch zu neuromuskulären Symptomen. Eine unerkannte Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion kann Muskelabbau beschleunigen. Autoimmunerkrankungen wie Polymyositis und Dermatomyositis sind selten, aber ernst und äußern sich klassisch mit proximaler Muskelschwäche (Schwierigkeiten beim Treppensteigen, beim Aufstehen vom Stuhl, beim Kämmen der Haare). Und eine der praktisch häufigsten reversiblen Ursachen ist die Statin-induzierte Myopathie bei Frauen, die wegen erhöhter Cholesterinwerte eine Cholesterinsenker-Therapie bekommen haben. Wenn deine Muskelschwäche kurz nach Beginn oder Dosiserhöhung eines Statins begonnen hat, gehört das definitiv auf den Prüfstand.

Ein Standard-Laborscreening beim Verdacht auf Sarkopenie sollte mindestens Vitamin D (25-OH-Vitamin D), Vitamin B12, TSH, kleines Blutbild, CK (Kreatinkinase, ein Muskelenzym), und bei entsprechendem Verdacht auch die Autoimmunmarker ANA und CRP umfassen. Das ist ein Standardprofil, das keine Praxis überfordert.

Krafttraining: Der eine Baustein, an dem nichts vorbeigeht

Wenn es beim Muskelabbau in den Wechseljahren einen einzigen Therapiebaustein gibt, der in praktisch jeder Studie funktioniert und der jedem anderen Baustein überlegen ist, dann ist es progressives Krafttraining. Das ist keine Meinung, das ist Konsens der aktuellen Studienlage. Eine Metaanalyse mit gesunden postmenopausalen Frauen aus 2024 kommt zu dem Ergebnis, dass zwölf Wochen strukturiertes Krafttraining bei Frauen in der Perimenopause und frühen Postmenopause zu signifikanten Zuwächsen an Muskelmasse (im Mittel 0,7 Kilogramm), Muskelkraft (im Mittel 15 bis 30 Prozent) und Alltagsfunktion führt. Eine neuere Übersichtsarbeit von 2026 zu Frauen mit bestätigter Sarkopenie bestätigt diese Zuwächse und zeigt zusätzlich, dass die Kombination aus Kraft- und Widerstandstraining der reinen Ausdauerbewegung deutlich überlegen ist.

Die zentrale Empfehlung ist erstaunlich schlicht. Zwei bis drei Krafttrainingseinheiten pro Woche von je 45 bis 60 Minuten. Ganzkörpertraining mit sechs bis acht großen Übungen, die alle wichtigen Muskelgruppen abdecken. Progressive Belastungssteigerung, das heißt: alle zwei bis vier Wochen etwas mehr Gewicht oder eine Wiederholung mehr. Belastungsintensität im Bereich von 60 bis 80 Prozent des maximalen einmaligen Krafteinsatzes (das ist der Bereich, in dem du 8 bis 15 Wiederholungen sauber schaffst und dann muskulär an eine Grenze kommst).

Was die deutsche Sportmedizin dazu sagt, deckt sich mit der internationalen Studienlage. Patrick Diel von der Sporthochschule Köln, den die Apotheken Umschau ausführlich zitiert, fasst die Empfehlung so zusammen: dreimal die Woche eine Stunde, unter Anleitung, mit Trainingsplan und stetiger Steigerung. Frauen, die das durchziehen, sehen laut Diel Kraftsteigerungen von 30 bis 50 Prozent im Verlauf von wenigen Monaten. Sein wichtigster Satz für alle, die daheim mit dem Theraband trainieren: das reicht in dieser Lebensphase leider nicht mehr. Der Reiz mit dem eigenen Körpergewicht oder mit leichten Bändern ist unter der Schwelle, die im postmenopausalen Muskel noch etwas auslöst. Es braucht Gewichte, die dich fordern.

Konkret sieht das so aus. Die Kernübungen, die in jedem Sarkopenie-Trainingsprogramm auftauchen, sind Kniebeugen (Quadrizeps, Glutäen, Rumpf), Kreuzheben oder rumänisches Kreuzheben (hintere Kette, Rücken, Griffkraft), Bankdrücken oder Liegestütze in Progression (Brust, Trizeps, Rumpf), vorgebeugtes Rudern oder Latzug (Rücken, Bizeps), Schulterdrücken (Schultern, Trizeps) und Ausfallschritte (Beinkraft, Balance). Wenn du im Studio bist, sind alle diese Übungen sowohl an Geräten als auch mit Freihanteln möglich. Anfängerinnen fahren mit Geräten meist besser, weil die Bewegung geführt ist und die Verletzungsgefahr geringer.

Die häufigste Sorge, die Frauen in diesem Alter beim Thema Krafttraining haben, ist: ich will nicht dick werden, ich will nicht männlich aussehen, ich will nicht bulky. Das ist die Sorge, die den meisten Frauen den Zugang zum Kraftraum jahrzehntelang verstellt hat. Sie ist mit Blick auf die Studienlage grotesk unbegründet. Frauen haben etwa ein Zehntel des Testosteronspiegels von Männern, und ohne diese Testosteronmenge lässt sich keine Frauenfigur in eine Bodybuilder-Silhouette umbauen. Was du beim Krafttraining bekommst, ist eine straffere Muskulatur, weniger Bauchfett, bessere Haltung, mehr Kraft und eine Körperform, die die meisten Frauen als vorteilhafter empfinden als die weichere Silhouette ohne Muskeltraining. Der "bulky look", vor dem viele Frauen Angst haben, entsteht nur mit pharmakologischer Nachhilfe. Bei natürlichem Training bei Frauen entsteht er nicht.

Für den Einstieg empfehlen sich acht bis zwölf Wochen unter Anleitung, entweder mit einer Personal Trainerin (Kosten in Deutschland zwischen 60 und 90 Euro pro Stunde, meistens braucht es fünf bis zehn Sessions bis die Übungen sitzen) oder in einem Rehasport-Programm, das die Krankenkasse bezuschusst. Wenn du in einer Frauenfitness-Kette wie Mrs. Sporty oder Kieser Training einsteigst, ist die Erstberatung inklusive und die Geräte sind so konzipiert, dass sie auch ohne dauerhafte Betreuung sinnvoll bedienbar sind. Yoga, Pilates und Reformer-Training sind gute Ergänzungen, aber ersetzen das eigentliche Krafttraining nicht, weil die Widerstände im Vergleich zu freien Gewichten meist zu niedrig sind für einen echten Hypertrophie-Reiz in dieser Lebensphase.

Protein: Der zweite Baustein, an dem viele Frauen scheitern

Der zweite große Hebel neben dem Training ist die Ernährung, und hier vor allem die Proteinzufuhr. Der Grund, warum Protein in dieser Lebensphase so wichtig wird, hat einen Fachbegriff: anabole Resistenz. Ältere Frauen (und "älter" heißt in diesem Kontext ab etwa vierzig) reagieren auf die gleiche Menge Nahrungsprotein mit einer geringeren Muskelproteinsynthese als jüngere Frauen. Es braucht mehr Protein, um denselben Aufbau-Effekt auszulösen.

Die aktuelle Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt für gesunde Erwachsene bei 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag und für Menschen ab 65 Jahren bei 1,0 Gramm. Diese Werte gelten für die Aufrechterhaltung der normalen Körperfunktion. Für Frauen, die aktiv Muskeln aufbauen wollen, ist die Studienlage inzwischen klar, dass diese Werte zu niedrig sind. Anja Carlsohn, Sprecherin der Arbeitsgruppe Sporternährung der DGE, formuliert es in einem Fachbeitrag der Apotheken Umschau so: für Menschen, die Muskeln aufbauen wollen, liegt die Empfehlung zwischen 1,2 und 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, je nach Trainingsumfang und Intensität.

Für eine 70-Kilogramm-Frau bedeutet das eine tägliche Proteinzufuhr zwischen 84 und 112 Gramm. Das ist deutlich mehr als die meisten Frauen in dieser Altersgruppe realisieren. Die typische Verteilung sieht so aus, dass Frauen morgens ein Brötchen mit Marmelade essen (5 bis 8 Gramm Protein), mittags einen Salat mit ein bisschen Käse oder Hähnchen (15 bis 25 Gramm), und abends dann eine große Mahlzeit mit Fleisch oder Fisch und Beilagen (30 bis 50 Gramm). Rechnet man das zusammen, kommen viele Frauen auf 50 bis 70 Gramm Protein am Tag, also deutlich unter der Zielmenge für Muskelerhalt und Aufbau.

Fast noch wichtiger als die absolute Tagesmenge ist die Verteilung über den Tag. Der muskuläre Proteinsynthese-Effekt einer Mahlzeit hängt davon ab, ob sie einen bestimmten Schwellenwert an essentiellen Aminosäuren überschreitet, besonders an der Aminosäure Leucin. Bei älteren Frauen liegt dieser Schwellenwert bei etwa 25 bis 30 Gramm hochwertigem Protein pro Mahlzeit, entsprechend etwa 2,5 bis 3 Gramm Leucin. Alles darunter löst kaum eine relevante Proteinsynthese aus. Alles darüber schon. Das heißt: die klassische Verteilung "wenig morgens, viel abends" ist für den Muskelaufbau in dieser Lebensphase suboptimal. Besser sind drei ausgewogene Mahlzeiten mit je 25 bis 35 Gramm Protein und optional eine proteinreiche Zwischenmahlzeit vor oder nach dem Training.

Was heißt das praktisch? Ein Frühstück mit 30 Gramm Protein besteht zum Beispiel aus 250 Gramm Magerquark mit Beeren und einem Löffel Nüssen. Oder aus zwei Rühreiern (je 6 Gramm) mit einer Scheibe Vollkornbrot (5 Gramm) und einer Scheibe Käse (7 Gramm) und einem Naturjoghurt (5 Gramm). Oder aus einem Proteinshake mit 30 Gramm Whey oder pflanzlichem Protein und einer Banane. Mittags eignen sich Hülsenfrüchte in Kombination mit Getreide (Linsensuppe mit Vollkornbrot liefert etwa 25 bis 30 Gramm), Fisch mit Kartoffeln, Hähnchen mit Reis oder ein großer Salat mit Feta und Kichererbsen. Abends klassische proteinreiche Mahlzeiten mit Fleisch, Fisch, Tofu oder Eiern.

Leucin-reiche Proteinquellen, die den anabolen Schwellenwert zuverlässig überschreiten, sind Milchprodukte (besonders Quark, griechischer Joghurt, Käse), Whey (Molkenprotein) als Supplement, Eier, mageres Fleisch (Hähnchen, Pute, Rind), Fisch (Lachs, Thunfisch, Kabeljau), und in Grenzen auch pflanzliche Quellen wie Sojaprotein, Erbsenprotein und Kombinationen aus Hülsenfrüchten und Getreide. Reine pflanzliche Ernährung ist möglich, braucht aber etwas mehr Bewusstsein für die Aminosäurenkombination und meistens 10 bis 20 Prozent mehr Gesamtprotein, um dieselbe anabole Wirkung zu erreichen.

Das Bundeszentrum für Ernährung, kurz BZfE, formuliert die praktische Botschaft nüchtern: es braucht keine High-Protein-Produkte "extra für Frauen" und keine speziellen Wechseljahre-Shakes. Vollwertige Lebensmittel decken den Bedarf in fast allen Fällen. Wer das nicht schafft, kann gelegentlich mit einem Proteinshake ergänzen, aber das ist eine Ausnahme, nicht die Regel.

Was Vitamin D, B12 und Magnesium wirklich beitragen

Neben Protein spielen ein paar Mikronährstoffe eine relevante Rolle für den Muskelerhalt in den Wechseljahren. Vitamin D steht an erster Stelle, weil ein Vitamin-D-Mangel bei Frauen über fünfzig extrem häufig ist (in Deutschland betrifft er nach Daten des Robert-Koch-Instituts etwa 60 Prozent der Bevölkerung) und weil Vitamin D direkt auf die Muskelfaser wirkt. Vitamin-D-Rezeptoren sitzen in der Muskelzelle, und bei Mangel gibt es reproduzierbar reduzierte Muskelkraft, erhöhtes Sturzrisiko und beschleunigte Sarkopenie. Die praktische Empfehlung ist unaufgeregt: Vitamin-D-Spiegel im Blut messen lassen (25-OH-Vitamin D), Zielwert zwischen 30 und 60 Nanogramm pro Milliliter, und bei Bedarf mit 800 bis 2000 Internationalen Einheiten pro Tag substituieren. Wer über 40 Nanogramm liegt und viel draußen ist, braucht meistens nichts.

Vitamin B12 wird oft mit Nervenfunktion in Verbindung gebracht, ist aber auch für die Muskelfunktion relevant. B12-Mangel äußert sich klassisch mit Kribbeln, Taubheitsgefühl und Muskelschwäche, kann aber lange unspezifisch verlaufen und Sarkopenie beschleunigen. Frauen über fünfzig, die vegetarisch oder vegan leben oder Magensäureblocker nehmen (die die B12-Aufnahme reduzieren), sollten ihren Spiegel prüfen lassen. Substitution ist unkompliziert (orale Tabletten oder Injektionen).

Magnesium ist an über 300 enzymatischen Reaktionen im Körper beteiligt, unter anderem an der Muskelkontraktion und an der Regeneration nach Belastung. Ein leichter Magnesiummangel ist bei Frauen in den Wechseljahren häufig, meistens ohne dramatische Symptome, kann aber Krämpfe, Muskelverspannungen und reduzierte Trainingsleistung mitverursachen. Die tägliche Zufuhr sollte bei 300 bis 400 Milligramm liegen, was mit einer bewussten Ernährung (Nüsse, Vollkorn, grünes Gemüse, dunkle Schokolade) meistens erreichbar ist. Wer viel schwitzt oder trainiert, kann mit 200 bis 400 Milligramm Magnesium abends zusätzlich supplementieren, ohne dabei zu riskieren.

Was oft unterschätzt wird: die tägliche Trinkmenge. Muskelzellen bestehen zu 75 Prozent aus Wasser, und schon eine leichte Dehydratation reduziert Kraft und Ausdauer messbar. Zwei bis zweieinhalb Liter pro Tag sind ein sinnvoller Zielwert, an Trainingstagen entsprechend mehr.

Kreatin: Das eine Supplement mit Evidenz

Wenn es ein einziges Supplement gibt, das für Frauen in den Wechseljahren beim Thema Muskelerhalt eine belastbare Datenlage hat, dann ist es Kreatin-Monohydrat. Kreatin ist eine körpereigene Substanz, die in der Muskelzelle als Energiespeicher für sehr kurze, kraftvolle Kontraktionen dient, und es lässt sich über Ernährung (Fleisch, Fisch) nur begrenzt aufnehmen. Eine Supplementierung mit drei bis fünf Gramm pro Tag erhöht den intramuskulären Kreatinspiegel um etwa 20 bis 30 Prozent und ist eine der am besten untersuchten Substanzen in der Sportmedizin.

Für Frauen in der Postmenopause hat sich Darren Candow zusammen mit Philip Chilibeck von der University of Saskatchewan zu einer Art Weltautorität entwickelt. Ihre 2015 im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichte Studie zeigte, dass die Kombination aus Kreatinsupplementierung und Krafttraining bei postmenopausalen Frauen zu signifikant größeren Zuwächsen an Beinkraft, Bankdrücken und Muskelmasse führte als Krafttraining allein. Eine zweijährige randomisierte kontrollierte Studie derselben Gruppe aus 2023 mit 237 postmenopausalen Frauen zeigte zusätzlich einen Schutzeffekt auf die Knochendichte in Wirbelsäule und Hüfte. Eine ganz aktuelle systematische Übersicht mit Metaanalyse aus 2026 bestätigt die Wirkung auf Muskelmasse und Kraft in dieser Zielgruppe.

Die praktische Empfehlung: drei bis fünf Gramm Kreatin-Monohydrat pro Tag, in ein Glas Wasser oder ein Getränk deiner Wahl gerührt, unabhängig vom Trainingszeitpunkt. Eine "Ladephase" mit 20 Gramm pro Tag über eine Woche, wie sie in älteren Empfehlungen steht, ist nicht nötig. Die Wirkung setzt langsam ein und erreicht nach vier bis sechs Wochen ihr Plateau. Kreatin ist eines der günstigsten Supplemente überhaupt (ein Jahresvorrat kostet zwischen 30 und 60 Euro), das Nebenwirkungsprofil ist über Jahrzehnte gut untersucht und in praktisch allen Studien unauffällig. Wichtig ist ausreichende Trinkmenge, weil Kreatin Wasser in die Muskelzelle zieht (das ist ein Teil des Wirkmechanismus).

Andere Supplemente haben in dieser Zielgruppe entweder eine schwächere Evidenz oder gar keine. Kollagen-Peptide sind seit ein paar Jahren im Trend, und es gibt einzelne Studien, die einen leichten Effekt auf Muskelmasse zeigen, aber die Datenlage ist deutlich schwächer als bei Kreatin, und der Effekt scheint eher indirekt über Sehnen und Bindegewebe zu laufen. Beta-Alanin, HMB (Beta-Hydroxy-Beta-Methylbutyrat), Omega-3-Fettsäuren und verschiedene Aminosäuren haben in einzelnen Studien Effekte gezeigt, aber keine hat das Evidenzniveau von Kreatin. Wer nur ein Supplement wählen kann, wählt Kreatin.

Hormontherapie: Was die Studien wirklich zeigen

Ein Baustein, den viele Frauen bei der Diskussion über Muskelabbau erstmal ausblenden, ist die Hormonersatztherapie (HRT). Das ist verständlich, weil die HRT jahrzehntelang unter dem Schatten der Women's Health Initiative-Studie stand. Aber gerade beim Thema Muskelmasse und Muskelkraft hat sich das Bild in den letzten Jahren deutlich aufgehellt.

Die Metaanalyse von Javed et al. im JAMA Network Open aus 2019 hat 12 randomisierte kontrollierte Studien mit knapp 4.500 postmenopausalen Frauen ausgewertet und kommt zu einem klaren Ergebnis: Hormontherapie führt zu einer signifikanten Zunahme an Magermasse (im Mittel 0,4 bis 0,6 Kilogramm) im Vergleich zu Placebo, unabhängig vom Präparat und der Applikationsform. Der Effekt ist moderat, aber konsistent und additiv zu den Effekten von Training und Ernährung.

Eine Übersichtsarbeit im Menopause Journal aus 2020 untersucht speziell die Muskelkraft und findet einen positiven Effekt der HRT auf die Handkraft, aber weniger konsistente Effekte auf Kniestreckkraft und Beinpresse. Die Autoren interpretieren das so, dass HRT die Grundausstattung der Muskulatur verbessert, aber für den Kraftzuwachs weiterhin das Training entscheidend ist.

Praktisch heißt das: wenn du bereits aus anderen Gründen (Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Osteoporoseprophylaxe, vaginale Trockenheit) über eine HRT nachdenkst und dazu Muskelabbau ein Thema ist, ist das ein zusätzliches Argument dafür, das Gespräch mit deiner Gynäkologin zu suchen. Wenn du keine anderen HRT-Indikationen hast und "nur" wegen der Muskeln überlegst, ist der Effekt für sich allein nicht groß genug, um die Entscheidung darauf aufzubauen. Krafttraining und Protein sind stärkere Hebel.

Ein besonderer Aspekt, der zunehmend diskutiert wird, ist die Testosterontherapie bei Frauen. In Deutschland ist diese Therapie außerhalb der Indikation "hypoactive sexual desire disorder" nicht regulär zugelassen, wird aber in Off-Label-Anwendung von einigen Endokrinologinnen und Gynäkologinnen eingesetzt. Kleine Studien zeigen positive Effekte auf Muskelkraft und Libido, aber die Datenlage für eine breite Anwendung ist noch nicht ausreichend. Wer sich dafür interessiert, sollte eine erfahrene Endokrinologin oder Gynäkologin aufsuchen, die mit dieser Therapie routiniert umgeht.

Trainingsplan: Wie das im Alltag aussieht

Hier ein konkreter Beispielplan für den Einstieg, der auf drei Krafttrainingseinheiten pro Woche ausgelegt ist. Jede Einheit dauert 45 bis 60 Minuten, Pause zwischen den Einheiten mindestens 48 Stunden, damit die Muskulatur regenerieren kann.

Einheit 1 (Ganzkörper, Schwerpunkt Beine): Warm-up 5 Minuten auf dem Fahrradergometer oder Crosstrainer. Kniebeugen (3 Sätze à 10 Wiederholungen), Beinpresse (3 x 12), rumänisches Kreuzheben mit Kurzhanteln (3 x 10), Ausfallschritte im Wechsel (2 x 10 pro Seite), Wadenheben (3 x 15). Cool-down mit leichtem Stretching der Beinmuskulatur.

Einheit 2 (Ganzkörper, Schwerpunkt Oberkörper): Warm-up wie Einheit 1. Bankdrücken mit Kurzhanteln oder Brustpresse-Gerät (3 x 10), vorgebeugtes Rudern mit Kurzhanteln oder Rudergerät (3 x 10), Schulterdrücken (3 x 10), Latzug (3 x 12), Bizepscurls (2 x 12), Trizepsdrücken (2 x 12). Cool-down mit leichtem Stretching des Oberkörpers.

Einheit 3 (Ganzkörper, funktionell): Warm-up wie Einheit 1. Kreuzheben mit leichteren Gewichten und höheren Wiederholungen (3 x 12), Kniebeugen mit Zusatzgewicht auf der Brust (3 x 10), Klimmzüge assistiert oder negativ (2 x 5), Liegestütze oder Bankdrücken (2 x 10), Rumpfstabilisation mit Plank und Side-Plank (3 x 30 Sekunden pro Seite), Farmer's Walk mit zwei schweren Kurzhanteln (3 x 20 Meter).

Progression: Alle zwei bis drei Wochen entweder das Gewicht bei einer Übung um 1 bis 2 Kilogramm erhöhen oder eine Wiederholung mehr pro Satz schaffen. Wenn du zwölf Wochen konsequent trainierst, wirst du in praktisch allen Übungen deutliche Fortschritte sehen (30 bis 50 Prozent Steigerung sind realistisch, wenn du vorher nicht trainiert hast).

Zusätzlich: Alltagsbewegung nicht vergessen. 8.000 bis 10.000 Schritte am Tag, Treppen statt Aufzug, kurze Wege zu Fuß statt mit dem Auto. Wer viel im Büro sitzt, kann alle 30 bis 45 Minuten kurz aufstehen und ein paar Kniebeugen oder Wandsitze einbauen. Die kombinierte Wirkung von strukturiertem Krafttraining und alltäglicher Bewegung ist deutlich größer als die Summe der Einzelteile.

Warum viele Frauen trotzdem nicht anfangen (und was du dagegen tun kannst)

Wenn du bis hierher gelesen hast, wird dir klar sein, dass die Lösung des Problems ziemlich unspektakulär ist: Krafttraining, Protein, ein bisschen Kreatin, gegebenenfalls Vitamin D. Das ist keine Raketenwissenschaft. Und trotzdem fangen die meisten Frauen in dieser Lebensphase nie an. Woran liegt das?

Erstens: an einer jahrzehntelangen kulturellen Konditionierung, dass Frauen "nicht dick werden dürfen" und dass Muskeln unweiblich seien. Diese Konditionierung ist bei Frauen zwischen 45 und 60 besonders tief verankert, weil sie in ihrer Jugend mit einem Frauenbild aufgewachsen sind, das den schlanken, zarten Körper als Ideal gesetzt hat. Der Gedanke, gezielt Muskelmasse aufzubauen, kollidiert bei vielen mit einer inneren Alarmglocke, die "unweiblich" sagt. Diese Alarmglocke ist einer der größten Faktoren, warum Frauen in den Kraftraum nicht reingehen.

Zweitens: an der berechtigten Sorge vor Verletzungen. Wer nie Krafttraining gemacht hat und mit fünfzig zum ersten Mal an eine Langhantel geht, kann sich Muskeln, Bänder oder Bandscheiben ruinieren, wenn die Ausführung nicht sitzt. Das ist ein reales Risiko, aber es ist eines, das sich vermeiden lässt: mit acht bis zwölf Anleitungssessions bei einer erfahrenen Trainerin lernst du die grundlegenden Bewegungsmuster und trainierst danach sicher weiter.

Drittens: an dem Zeit- und Kostenargument. Dreimal die Woche eine Stunde im Studio sind ein Zeitaufwand von rund vier Stunden pro Woche inklusive Wege. Für viele Frauen, die Vollzeit arbeiten, Kinder oder pflegebedürftige Eltern haben, klingt das nach einem unmöglichen Aufwand. Aber genau diese Frauen sind es, die im Alter überproportional an Sarkopenie leiden, weil sie sich diese vier Stunden nie geleistet haben. Es lohnt sich, sich klarzumachen: die vier Stunden pro Woche jetzt sind die Investition in die Fähigkeit, mit siebzig noch selbstständig einzukaufen, mit achtzig noch aus dem Sessel aufzustehen und mit fünfundachtzig nicht im Pflegeheim zu landen.

Viertens: an der falschen Vorstellung, dass Krafttraining schmerzhaft, unangenehm und frustrierend sein müsse. Das ist meistens ein Vorurteil, das aus Erfahrungen im Schulsport oder aus Bildern aus dem Bodybuilding-Milieu stammt. In der Realität empfinden die meisten Frauen strukturiertes Krafttraining nach den ersten drei bis vier Wochen als angenehm, kraftgebend und sogar entspannend. Der Muskelkater der ersten zwei Wochen verschwindet, die ersten sichtbaren Kraftsteigerungen kommen nach vier bis sechs Wochen, und ab dem dritten Monat ist der psychische Nutzen (Selbstwirksamkeit, Stimmungsstabilisierung, besserer Schlaf) für viele mindestens genauso wichtig wie der körperliche.

Der einfachste Weg, die Hürde zu überwinden, ist meistens eine Trainingspartnerin. Wer sich mit einer Freundin verabredet, dreimal die Woche gemeinsam ins Studio zu gehen, zieht das statistisch dreimal so oft durch wie jemand, der es allein versucht. Wenn du keine Freundin findest, die mitzieht, sind kleine Gruppentrainings mit vier bis sechs Frauen unter Trainerleitung eine sehr wirksame Alternative.

Wann du zur Ärztin musst

Sarkopenie im engeren Sinn ist ein langsamer Prozess und kein Notfall. Es gibt aber Formen von Muskelschwäche, die dringend medizinisch abgeklärt gehören und bei denen Warten falsch ist.

Wenn deine Muskelschwäche innerhalb von Wochen oder wenigen Monaten deutlich zunimmt, gehört das zeitnah zur Hausärztin. Akute Kraftverluste sprechen selten für eine Sarkopenie und häufiger für andere Ursachen (Autoimmunerkrankungen, endokrine Störungen, Medikamentennebenwirkungen).

Wenn deine Muskelschwäche mit Schluckproblemen (Dysphagie), Sehstörungen (Doppelbilder, hängende Augenlider) oder Sprechproblemen einhergeht, ist das ein Warnsignal für eine neurologische Erkrankung wie Myasthenia gravis. Das gehört zeitnah in die Neurologie.

Wenn die Muskelschwäche mit auffälligen Muskelzuckungen (Faszikulationen), Muskelschwund an ungewöhnlichen Stellen oder mit Gefühlsstörungen einhergeht, sollte eine neurologische Abklärung erfolgen (Ausschluss von Motoneuronerkrankungen wie ALS oder von peripheren Neuropathien).

Wenn du gerade mit einem Statin (Cholesterinsenker) begonnen hast und danach Muskelschwäche entwickelst, spreche deine Hausärztin darauf an. Statin-Myopathie ist meistens reversibel nach Absetzen oder Umstellung des Präparats.

Wenn du plötzliche starke Muskelschmerzen mit dunklem Urin bekommst, ist das ein Notfall (Verdacht auf Rhabdomyolyse) und gehört sofort in die Notaufnahme.

Für die klassische, langsam progrediente Muskelschwäche in der Perimenopause reicht ein Termin bei der Hausärztin mit Bitte um ein grundlegendes Sarkopenie-Screening (Handkraftmessung, Chair-Rise-Test, Basislabor inklusive Vitamin D, Vitamin B12, TSH, CK und CRP). Wenn deine Praxis das nicht anbietet, sind sportmedizinische Praxen und einige Endokrinologinnen die naheliegende Alternative.

Realtalk am Ende

Wenn du 52 bist wie unsere Läuferin vom Anfang, wenn du seit zwölf Monaten merkst, dass die Kraft nicht mehr da ist, wo sie noch vor zwei Jahren war, und wenn du bis hierher gelesen hast, dann bist du an einem Punkt, den viele Frauen nie erreichen. Die meisten schreiben den Kraftverlust dem Alter zu, hören auf zu joggen, weil das Knie nicht mehr will, ziehen den Aufzug vor, weil die Treppe anstrengt, und fangen dann im Alter irgendwann an, sich vor Stürzen zu fürchten. Der Punkt, an dem der Prozess mit einfachen Mitteln vollständig reversibel wäre, war irgendwo mit fünfzig, aber da wurde die richtige Diagnose nicht gestellt.

Du bist an genau diesem Punkt jetzt. Das ist die beste Nachricht, die dieser Artikel dir liefern kann. Muskelabbau in den Wechseljahren ist eines der wenigen Themen, bei denen du in wenigen Monaten fast alles zurückholen kannst, was in den letzten Jahren verloren gegangen ist. Und du kannst dir eine Ausgangslage schaffen, mit der du die nächsten dreißig Jahre selbstständig durch den Alltag kommst, ohne die Kaskade aus Kraftverlust, Sturz, Fraktur und Selbstständigkeitsverlust zu erleben, die vielen Frauen in deiner Altersgruppe passiert, weil ihnen nie jemand gesagt hat, was zu tun ist.

Was zu tun ist, hast du jetzt gelesen. Krafttraining, das dich wirklich fordert. Protein, das du regelmäßig und in relevanter Menge isst. Ein bisschen Kreatin. Vitamin D, wenn du im Mangel bist. Und, wenn es aus anderen Gründen ohnehin ansteht, eine Hormonersatztherapie als zusätzlichen Baustein.

Die 52-Jährige vom Anfang hat sich mit ihrem Trainer einen 12-Wochen-Plan gemacht, ist zweimal die Woche im Studio, einmal die Woche macht sie ihre alte Joggingrunde. Sie isst ein Frühstück mit Magerquark, mittags eine warme Mahlzeit mit Fleisch oder Fisch, abends eine Suppe mit Hülsenfrüchten. Sie nimmt drei Gramm Kreatin morgens in den Kaffee. Nach zehn Wochen misst der Trainer wieder ihre Handkraft. 25 Kilo. Nicht ganz zurück auf 27, aber weit weg von den 19 vom Anfang. Nach sechs Monaten ist sie bei 28.

Sie erzählt es allen ihren Freundinnen in der Wechseljahre-Runde, mit dem Nachdruck einer Predigerin. Zwei fangen an. Drei sagen, sie hätten dafür keine Zeit. Eine bricht nach vier Wochen wieder ab, weil ihr das zu anstrengend ist. Aber die zwei, die durchhalten, werden ihr in einem Jahr sagen: das war eine der besten Entscheidungen, die ich in dieser Lebensphase getroffen habe.

Der Trainer, der ihr das damals aufgemacht hat, sagt einen Satz, der hängen bleibt. Muskeln in den Wechseljahren zu bekommen ist wie einen alten Sportwagen zu restaurieren. Es geht schneller, als du denkst. Aber wenn du ihn zu lange stehen lässt, wird die Restauration irgendwann teurer als ein Neuwagen. Der Zeitpunkt, an dem du anfängst, entscheidet über den Preis.


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