Es beginnt fast immer gleich und fast immer unspektakulär. In der Handinnenfläche, meist unterhalb des Ring- oder Kleinfingers, lässt sich ein kleiner derber Knoten tasten. Er tut nicht weh, er stört nicht, und er wird oft für eine Schwiele gehalten. Erst Monate oder Jahre später kommt ein Strang dazu, der sich unter der Haut zur Fingerbasis zieht, und irgendwann lässt sich der Finger nicht mehr ganz strecken.
Das ist die Dupuytren-Kontraktur, eine Fibrose der Palmaraponeurose, also der bindegewebigen Platte in der Handfläche. Sie gilt als Männerkrankheit, und für Frauen gibt es zu diesem Thema auffallend wenig verständliches Material. Dabei liegt ihr Erkrankungsgipfel ausgerechnet in den Jahren um die Menopause.
Die Zahl, die aufhorchen lässt
In einer US-amerikanischen Auswertung von 1.815 Betroffenen wurde der Altersgipfel für beide Geschlechter getrennt bestimmt. Bei Männern lag er zwischen 70 und 79 Jahren, dort traten 28,1 Prozent der Erkrankungen auf. Bei Frauen lag er zwischen 50 und 59 Jahren, mit 33,5 Prozent.
Das mittlere Erkrankungsalter unterschied sich entsprechend deutlich: 60,7 Jahre bei Männern gegenüber 53,7 Jahren bei Frauen.
Dieselbe Auswertung korrigiert nebenbei ein zweites verbreitetes Bild. Das oft zitierte Geschlechterverhältnis von drei bis neun Männern auf eine Frau stammt überwiegend aus nordeuropäischen und australischen Erhebungen. In der US-Population betrug das Gesamtverhältnis 1,7 zu 1. Unter 54 Jahren lag es bei 4 zu 1, und mit steigendem Alter näherte es sich 1 zu 1 an.
Frauen sind also nicht selten betroffen. Sie sind nur später betroffen, und deshalb fallen sie in Statistiken weniger auf, die auf jüngere Jahrgänge schauen.
Und jetzt der Teil, der nicht in die schöne Geschichte passt
Ein Erkrankungsgipfel zwischen 50 und 59 legt einen Zusammenhang mit den Wechseljahren so nahe, dass man ihn fast automatisch annimmt. Genau das ist untersucht worden, und das Ergebnis ist ernüchternd.
In der Arbeit zur Dupuytren-Kontraktur bei Frauen wurde gezielt geprüft, ob Menopause und Schwangerschaften mit dem mittleren Erkrankungsalter, der Rezidivrate oder der Ausbreitungsgeschwindigkeit zusammenhängen. Ein solcher Zusammenhang fand sich nicht.
Das ist ein wichtiger Befund, und er verdient es, nicht weggeredet zu werden. Eine zeitliche Überschneidung ist kein Beleg für eine Ursache. In diesem Lebensjahrzehnt passiert vieles gleichzeitig: Der Hormonhaushalt verändert sich, aber es verändern sich auch Stoffwechsel, Medikation, Gewicht, Alkoholkonsum und die Wahrscheinlichkeit, überhaupt zum ersten Mal wegen der Hände zu einer Ärztin zu gehen.
Was die Forschung zur Hormonachse tatsächlich beschreibt, geht zudem in eine andere Richtung als erwartet. Diskutiert wird eine Rolle von Testosteron, das über Androgenrezeptoren die Vermehrung der Dupuytren-Fibroblasten anregt. Testosteronspiegel verschieben sich in der Menopause, weil die Östrogenproduktion stärker abfällt als die Androgenproduktion. Ein bewiesener Wirkpfad ist das nicht, aber es ist der Mechanismus, der in der Literatur auftaucht, und er hat mit Östrogenmangel im üblichen Sinn wenig zu tun.
Der Verlauf ist bei Frauen ungünstiger
Eine zweite Beobachtung aus derselben Literatur ist praktisch bedeutsamer als die Ursachenfrage: Die Prognose der Dupuytren-Erkrankung ist bei Frauen schlechter als bei Männern, obwohl Frauen sich in der Regel mit etwas geringer ausgeprägten Kontrakturen vorstellen.
Das ist eine unangenehme Kombination. Wer mit einem leichteren Befund kommt, bekommt eher zu hören, man könne das beobachten. Bei einem Krankheitsbild mit ungünstigerer Prognose ist das nicht unbedingt die richtige Antwort.
Für die eigene Sprechstunde heißt das: Der Satz "das ist noch nicht schlimm" beschreibt den aktuellen Befund und nicht den erwartbaren Verlauf. Wer nach zwölf Monaten eine Verschlechterung bemerkt, sollte das nicht als normal abtun.
Der Test, den man selbst machen kann
Es gibt einen einfachen Befund, der in der Handchirurgie als Schwelle gilt: den Tischtest.
Man legt die Hand flach auf eine Tischplatte, Handfläche nach unten. Wenn sie sich vollständig flach auflegen lässt, ist der Test negativ. Bleibt ein Spalt, weil ein Finger nicht mehr ganz gestreckt werden kann, ist er positiv.
Ein positiver Tischtest ist der klassische Zeitpunkt, an dem eine Behandlung besprochen wird. Vorher ist der Leidensdruck meist gering und der Eingriff bringt wenig; deutlich später wird die Streckung schwieriger wiederherzustellen, vor allem am Mittelgelenk des Fingers.
Es lohnt sich, diesen Test einmal bewusst zu machen und das Ergebnis mit einem Datum zu notieren. Die Erkrankung schreitet über Jahre fort, und die eigene Erinnerung an "das war vorher auch schon so" ist dabei wenig verlässlich.
Was behandelt wird, und was sich in Deutschland geändert hat
Drei Verfahren stehen im Raum, und die Lage in Deutschland hat sich in den letzten Jahren verschoben.
Die Kollagenase-Injektion. Das Präparat Xiapex wurde 2011 in Europa zugelassen und setzte den Strang durch ein Enzym auf, sodass er anschließend durchtrennt werden konnte, ohne zu operieren. In Deutschland wurde es bereits 2012 vom Markt genommen, nachdem der Gemeinsame Bundesausschuss keinen Zusatznutzen gegenüber günstigeren Verfahren festgestellt hatte und die Preisverhandlungen scheiterten. Seit Ende 2019 wird es in Europa nicht mehr vertrieben. Der Grund war ausdrücklich kein Sicherheitsproblem. Die perkutane Nadelfasziotomie. Der Strang wird mit einer Kanüle in örtlicher Betäubung durchtrennt, die Hand ist am selben Tag wieder belastbar. Genau dieses Verfahren hat sich in Deutschland nach dem Wegfall der Kollagenase weiter verbreitet. Die Ergebnisse sind zunächst gut, die Rezidivrate wird allerdings mit 20 bis 50 Prozent innerhalb eines Jahres angegeben. Die offene Operation. Das Gewebe wird herausgelöst, was den aufwendigsten Eingriff und die längste Nachbehandlung bedeutet, dafür aber die niedrigsten Rückfallquoten.Zur Einordnung der Rezidivzahlen: Auch für die Kollagenase lagen die Fünfjahresdaten bei 47 Prozent Rückfall, aufgeteilt in 39 Prozent bei behandeltem Grundgelenk und 66 Prozent bei behandeltem Mittelgelenk. Rückfälle gehören bei dieser Erkrankung also zum Bild, unabhängig vom gewählten Verfahren. Die Frage ist weniger, ob es wiederkommt, sondern wie oft man bereit ist, etwas dagegen zu tun, und wie belastend das jeweilige Verfahren ist.
Das ist übrigens ein Argument für die Nadelfasziotomie bei Frauen mit früherem Erkrankungsbeginn: Ein Verfahren, das sich mehrfach wiederholen lässt, passt besser zu einer Erkrankung, die noch dreißig Jahre Zeit hat.
Was es nicht ist
Zur Abgrenzung, weil in diesem Lebensabschnitt mehrere Handbeschwerden gleichzeitig auftreten können:
Die Dupuytren-Kontraktur betrifft das Bindegewebe der Handfläche, nicht die Gelenke. Sie tut typischerweise nicht weh. Wenn die Fingerendgelenke schmerzen und knotig werden, ist das eher eine Heberden-Arthrose. Wenn die Finger morgens steif sind und sich das über den Vormittag löst, ist das ein anderes Muster. Wenn Daumen, Zeige- und Mittelfinger nachts einschlafen und kribbeln, spricht das für ein Karpaltunnelsyndrom.
Alle diese Bilder häufen sich in denselben Jahren, und sie können nebeneinander bestehen. Das macht die Zuordnung in der Sprechstunde schwieriger und ist ein guter Grund, die Beschwerden getrennt zu beschreiben statt als "meine Hände".
Was sich daraus für dich ergibt
Wenn du einen derben Knoten in der Handinnenfläche tastest: Es ist wahrscheinlich keine Schwiele, und es ist nichts Bösartiges. Lass es einmal ansehen, und zwar in einer handchirurgischen Sprechstunde, nicht nebenbei.
Mach den Tischtest und notiere das Ergebnis mit Datum. Wiederhole ihn zweimal im Jahr.
Lass dich nicht mit der Auskunft beruhigen, das sei eine Männerkrankheit. In der Altersgruppe ab 50 stimmt das so nicht, und der Verlauf ist bei Frauen eher ungünstiger.
Und erwarte nicht, dass eine Hormontherapie hier etwas ausrichtet. Für die Dupuytren-Kontraktur gibt es dafür keine Grundlage, und die einzige Untersuchung, die gezielt nach einem Menopause-Zusammenhang gesucht hat, hat keinen gefunden.
Quellen: Anthony SG, Lozano-Calderon SA, Simmons BP, Jupiter JB: "Gender Ratio of Dupuytren's Disease in the Modern U.S. Population", Hand (N Y), 2008 (n = 1.815, Altersgipfel 50 bis 59 bei Frauen mit 33,5 Prozent, mittleres Erkrankungsalter 53,7 gegenüber 60,7 Jahren, Geschlechterverhältnis 1,7 zu 1) · "Dupuytren's palmar contracture in women", PubMed 18669144 (kein Zusammenhang mit Menopause und Schwangerschaft, ungünstigere Prognose bei Frauen, Androgenrezeptor-Hypothese) · BDC Online, "OP statt Spritze: Pfizer nimmt Xiapex vom Markt" · Springer, "Minimalinvasive Verfahren bei der Dupuytren-Kontraktur", Trauma und Berufskrankheit 2015 (Rezidivraten Nadelfasziotomie und Kollagenase) Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Er fasst den veröffentlichten Forschungsstand zusammen; die Einordnung des Einzelfalls gehört in fachkundige Hände.
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