Subklinische Hypothyreose: Wenn der TSH erhöht ist und alles andere normal

Subklinische Hypothyreose: Wenn der TSH erhöht ist und alles andere normal

Es gibt einen Befund, der in dieser Lebensphase häufig auftaucht und für den es keine einfache Antwort gibt: Der TSH ist leicht erhöht, die eigentlichen Schilddrüsenhormone sind normal.

Das heißt subklinische oder latente Hypothyreose. Und die Frage, ob man das behandelt, wird unter Fachleuten seit Jahren diskutiert.

Was der Befund bedeutet

TSH ist kein Schilddrüsenhormon, sondern das Signal der Hirnanhangsdrüse an die Schilddrüse. Es steigt, wenn die Hirnanhangsdrüse den Eindruck hat, dass zu wenig Hormon ankommt.

Eine subklinische Hypothyreose liegt vor, wenn der TSH über dem Referenzbereich liegt, üblicherweise über etwa 4 Milli-Einheiten pro Liter, während die freien Hormone fT4 und fT3 normal sind. Die Schilddrüse arbeitet also noch, aber sie braucht mehr Antrieb dafür.

Die Fachgesellschaften unterscheiden dabei zwei Schweregrade, und diese Unterscheidung trägt die ganze Behandlungsfrage:

TSHEinordnung
4 bis 10 mU/lleichte Form
über 10 mU/lausgeprägte Form

Was die Leitlinien empfehlen

Bei der ausgeprägten Form mit einem TSH ab 10 und einem Alter bis etwa 70 Jahren soll eine Behandlung mit Levothyroxin begonnen werden, auch ohne Beschwerden.

Bei der leichten Form unter 10, und ebenso bei älteren Menschen über 70 auch mit Werten ab 10, richtet sich die Entscheidung nach drei Dingen: nach den Beschwerden, nach dem Herz-Kreislauf-Risiko, wobei ein höheres Risiko eher für eine Behandlung spricht, und nach dem Wunsch der Patientin.

Für Frauen zwischen 45 und 60 heißt das: Bei einem TSH über 10 ist die Sache klar. Darunter ist es eine Abwägung, und die gehört besprochen statt ausgewürfelt.

Was die große Studie gezeigt hat

Die wichtigste Untersuchung dazu heißt TRUST. Sie schloss 737 Erwachsene ab 65 Jahren mit TSH-Werten zwischen 4,6 und 19,99 und normalem fT4 ein und verglich Levothyroxin, mittlere Dosis 50 Mikrogramm, gegen Placebo.

Das Ergebnis war eindeutig und unerwartet für viele. Nach zwölf Monaten war der TSH in der Behandlungsgruppe erwartungsgemäß gesunken, von 6,40 auf 3,63. Bei den Beschwerden zeigte sich kein klinisch bedeutsamer Unterschied, weder im Hypothyreose-Symptomscore noch beim Müdigkeitsscore.

Eine Verlängerung über fünf Jahre fand ebenfalls keine Unterschiede in der Lebensqualität. Und eine gepoolte Auswertung zweier randomisierter Studien fand keine signifikante Veränderung des Herz-Kreislauf-Risikos, unabhängig von Vorerkrankungen und Alter.

Und warum das nicht das Ende der Geschichte ist

Hier gehört eine Einschränkung dazu, die in verkürzten Darstellungen oft fehlt: TRUST untersuchte Menschen ab 65 Jahren.

Für eine Frau mit 52 lässt sich dieses Ergebnis nicht ungeprüft übernehmen. Der TSH steigt mit dem Alter natürlicherweise an, weshalb für ältere Menschen altersangepasste Referenzwerte diskutiert werden. Ein TSH von 5,5 bedeutet bei 80 Jahren etwas anderes als bei 50.

Was sich aus TRUST mitnehmen lässt, ist die Grundhaltung: Ein leicht erhöhter TSH ist kein automatischer Behandlungsgrund, und die Erwartung, dass eine Tablette die Müdigkeit beseitigt, wird häufig enttäuscht. Was sich daraus nicht ableiten lässt, ist eine pauschale Ablehnung der Behandlung bei jüngeren Frauen mit Beschwerden.

Die Überschneidung, die alles kompliziert macht

Und damit zum eigentlichen Problem in dieser Lebensphase. Die Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion und die der Wechseljahre überschneiden sich fast vollständig: Müdigkeit, Gewichtszunahme, trockene Haut, Haarausfall, Konzentrationsstörungen, gedrückte Stimmung, Frieren.

Daraus folgen zwei entgegengesetzte Fehler, und beide kommen vor.

Der eine: Alles wird den Wechseljahren zugeschrieben, und die Schilddrüse wird nie geprüft.

Der andere: Ein leicht erhöhter TSH wird gefunden und als Erklärung für alles genommen, die Tablette wird gegeben, und wenn die Beschwerden bleiben, wird die Dosis erhöht statt die Diagnose überprüft.

Zur Abgrenzung gibt es hier einen eigenen Artikel: Schilddrüse oder Wechseljahre. Und weil Erschöpfung oft mehrere Ursachen gleichzeitig hat, lohnt parallel der Blick auf den Eisenspeicher, siehe Ferritinmangel ohne Anämie.

Was vor der Entscheidung geklärt gehört

Vier Punkte, die eine sinnvolle Grundlage ergeben.

Der Wert wird wiederholt. Ein einzelner erhöhter TSH ist keine Diagnose. Er schwankt tageszeitlich, steigt bei Infekten und normalisiert sich häufig von selbst. Eine Kontrolle nach zwei bis drei Monaten gehört dazu, bevor behandelt wird. Die Antikörper werden bestimmt. Erhöhte TPO-Antikörper sprechen für eine Hashimoto-Thyreoiditis. Das ändert die Prognose, weil der TSH dann eher weiter steigt, und spricht bei grenzwertigen Werten eher für eine Behandlung. Die Beschwerden werden festgehalten, und zwar vorher und schriftlich. Nur so lässt sich nach drei Monaten beurteilen, ob sich etwas geändert hat. Ohne Ausgangspunkt wird jede Veränderung dem Medikament zugeschrieben oder abgesprochen, je nach Erwartung. Ein Kinderwunsch wird genannt. Bei bestehendem Kinderwunsch und in der Schwangerschaft gelten strengere Zielwerte, und dort wird früher behandelt. Das betrifft in der Perimenopause weniger Frauen als früher, aber nicht keine.

Wenn behandelt wird

Levothyroxin wird morgens nüchtern eingenommen, mit ausreichend Abstand zum Frühstück, üblicherweise eine halbe Stunde. Kalzium- und Eisenpräparate sowie Kaffee behindern die Aufnahme und gehören mit mehreren Stunden Abstand eingenommen. Gerade der Eisenpunkt ist in dieser Lebensphase relevant, weil beides häufig gleichzeitig gegeben wird.

Kontrolliert wird frühestens nach sechs bis acht Wochen, weil sich der TSH nur langsam einstellt. Wer früher misst, misst einen Zwischenstand.

Und ein Hinweis, der häufig fehlt: Wenn nach drei bis sechs Monaten mit normalisiertem TSH die Beschwerden unverändert sind, war die Schilddrüse wahrscheinlich nicht die Ursache. Das ist eine brauchbare Information und kein Scheitern. Dann lohnt es, weiterzusuchen, statt die Dosis zu erhöhen.


Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Entscheidung über eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen gehört in ärztliche Hände. Quellen: Stott DJ et al., "Thyroid Hormone Therapy for Older Adults with Subclinical Hypothyroidism", New England Journal of Medicine 2017, TRUST-Studie mit 737 Teilnehmenden ab 65 Jahren · gepoolte Auswertung zweier randomisierter Studien zu Levothyroxin und kardiovaskulären Endpunkten bei subklinischer Hypothyreose · Einordnung der europäischen Empfehlungen zur Behandlung nach TSH-Höhe und Alter nach Darstellung bei DEXIMED und im Blog der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie · Hinweise zu altersangepassten TSH-Referenzwerten ebenda

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