Ein Team des amerikanischen National Institute of Environmental Health Sciences untersuchte 1.364 zufällig ausgewählte Frauen zwischen 35 und 49 Jahren. Sie schauten per Ultraschall nach Myomen, den gutartigen Muskelknoten in der Gebärmutter, und zwar unabhängig davon, ob jemand Beschwerden hatte. Das Ergebnis: Von den Frauen, die noch nie eine Myom-Diagnose bekommen hatten, trugen 51 Prozent trotzdem eines in sich. Hochgerechnet auf das Alter von 50 Jahren hatten bei weißen Frauen nahezu 70 Prozent Myome entwickelt, bei Schwarzen Frauen mehr als 80 Prozent (Baird und Kollegen, American Journal of Obstetrics and Gynecology, 2003).
Man liest die Zahl besser zweimal. Sie heißt: Wer in den Wechseljahren ein Ziehen im Unterleib spürt und beim Ultraschall ein Myom findet, hat damit noch lange nicht die Ursache gefunden. Der Knoten ist vielleicht schon seit zehn Jahren da und hat nie etwas gemacht. Und umgekehrt: Wer nichts findet, hat trotzdem Schmerzen.
Unterleibsschmerzen sind in dieser Lebensphase ein Sammelbegriff für sehr verschiedene Dinge. Gebärmutter, Eierstöcke, Blase, Darm, Scheide, Beckenboden und die Muskeln drumherum liegen auf wenigen Zentimetern beieinander, und das Gehirn kann einen Schmerz dort schlecht zuordnen. Dieser Artikel sortiert, was in welcher Reihenfolge am häufigsten ist, woran du es unterscheiden kannst und welche Beschwerden nicht warten sollten.
Zuerst: Wo genau sitzt es, und wie fühlt es sich an?
Bevor es um Ursachen geht, lohnt sich ein kurzes Protokoll über zwei bis drei Wochen. Das ist keine Spielerei, sondern genau das, was die Frauenärztin im Gespräch ohnehin abfragt. Hilfreich sind fünf Angaben:
- Wo sitzt der Schmerz: mittig über dem Schambein, links oder rechts, oder diffus?
- Wie fühlt er sich an: krampfartig wie Regelschmerzen, dumpf und drückend, stechend, brennend?
- Wann kommt er: zyklisch, nach dem Essen, beim Wasserlassen, beim Sex, nachts?
- Was begleitet ihn: Blutung, Ausfluss, Fieber, Blähbauch, Veränderungen beim Stuhlgang?
- Seit wann besteht er, und wird er stärker?
Diese Angaben entscheiden viel. Ein Schmerz, der beim Wasserlassen brennt, ist etwas anderes als einer, der nach dem Essen auftritt. Und ein Schmerz, der seit drei Tagen da ist, etwas anderes als einer, der sich seit drei Monaten steigert.
Die häufigste Erklärung: Der Zyklus wird unberechenbar
In der Perimenopause, also den Jahren vor der letzten Blutung, läuft der Zyklus nicht einfach langsam aus. Eine Übersichtsarbeit der australischen Forschungsgruppe um Henry Burger beschreibt, dass die Hormonveränderungen in dieser Zeit vor allem eines sind: unvorhersehbar. Es gibt keinen ordentlichen, schrittweisen Rückgang, sondern ein Nebeneinander von Zyklen mit Eisprung und Zyklen ohne, wobei Zyklen ohne Eisprung in den letzten 30 Monaten vor der letzten Blutung deutlich häufiger werden (Burger und Kollegen, Menopause, 2008). Die Autoren beziffern auch, wann das beginnt: Unregelmäßigkeiten zeigen sich, wenn nur noch etwa 100 Eizellreserven pro Eierstock übrig sind.
Für den Unterleib heißt das: Es kann Zyklen mit kräftigem Eisprung geben, Zyklen mit starken Regelkrämpfen, Zyklen mit langen Pausen und dann plötzlich einer sehr starken Blutung. Viele Frauen beschreiben ein Ziehen oder Krampfen, auch wenn die Periode ausbleibt. Das passt zu einem Zyklus, der sich gerade neu sortiert (mehr dazu im Überblick Perimenopause: Symptome).
Ich finde diese Erklärung beruhigend und gleichzeitig tückisch. Beruhigend, weil sie vieles abdeckt. Tückisch, weil sie zur Standardantwort wird, hinter der sich andere Ursachen verstecken. "Das sind die Wechseljahre" ist ein Satz, den man einmal glauben darf, aber nicht beim vierten Mal.
Myome: häufig, meist harmlos, selten der Schmerzverursacher
Zurück zu den Myomen aus dem Einstieg. Die Studie zeigt, wie verbreitet sie sind. Wie oft sie Schmerzen machen, ist eine andere Frage. Myome wachsen unter dem Einfluss von Östrogen, und nach der Menopause stellen sie in der Regel ihr Wachstum ein oder bilden sich zurück. So beschreiben es gängige gynäkologische Patienteninformationen, etwa die der Apotheken Umschau. Dazu gehört ein Umkehrschluss, den Fachleute ernst nehmen: Ein Knoten, der nach der Menopause deutlich wächst, gilt als Grund für eine genauere Abklärung, weil dort kein östrogenabhängiges Wachstum mehr zu erwarten ist.
Typisch für Myome sind starke oder lange Blutungen, Druckgefühl im Unterbauch, häufiger Harndrang, wenn der Knoten auf die Blase drückt, und manchmal Schmerzen beim Sex. Eine Studie mit Daten aus einer Bevölkerungserhebung fand, dass Frauen mit Myomen häufiger mäßige oder starke Schmerzen beim Verkehr und anhaltende, nicht zyklische Beckenschmerzen angaben als Frauen ohne Myome (Lippman und Kollegen, Fertility and Sterility, 2003). Ein Zusammenhang, kein Beweis, dass jeder Schmerz vom Myom kommt.
Eine praktische Folge: Wenn bei dir ein Myom gefunden wird, sollte die Ärztin trotzdem fragen, ob es zu deinen Beschwerden passt, statt sie automatisch darauf zu schieben.
Eierstockzysten: häufiger, als man denkt, und oft von allein weg
Auch die Eierstöcke produzieren nach der Menopause noch Zysten. Eine Übersichtsarbeit zum zufällig entdeckten Eierstockbefund nach der Menopause nennt eine Häufigkeit von fast 18 Prozent in einer Bevölkerungsgruppe, die an einer Krebsfrüherkennung teilnahm. Und: 60 bis 70 Prozent der einkammerigen Zysten bilden sich von selbst zurück (McDonald und Modesitt, Clinical Obstetrics and Gynecology, 2006). Empfohlen wird bei einkammerigen Zysten mit normalem Tumormarker CA 125 eine Kontrolle per Ultraschall nach drei bis sechs Monaten. Operiert wird, wenn die Zyste komplexer wird oder der Marker steigt.
Wichtig für den Alltag: Eine Zyste kann ein einseitiges Ziehen machen, tut es aber oft gar nicht. Plötzliche, sehr heftige einseitige Schmerzen mit Übelkeit sind dagegen ein Notfallsignal, weil sich ein Eierstock um seine Achse drehen kann. Das ist selten, aber dann zählt jede Stunde.
Blase und Scheide: Wenn der Östrogenmangel vor Ort zuschlägt
Ein Schmerz im Unterbauch muss nicht von der Gebärmutter kommen. Das Gewebe von Scheide, Harnröhre und Blase ist stark auf Östrogen angewiesen. Fällt es weg, wird die Schleimhaut dünner, trockener und empfindlicher. Fachleute nennen das genitourinales Syndrom der Menopause. Je nach Studie liegt die Häufigkeit zwischen 14 und 87 Prozent der Frauen nach der Menopause, bei etwa 40 bis 54 Prozent sind die Beschwerden belastend (Übersicht im StatPearls-Handbuch der US-Gesundheitsbehörde NIH).
Das kann sich als Brennen und Druck im Unterleib zeigen, als ständiger Harndrang oder als Blasenentzündungen, die immer wieder kommen. Hier gibt es eine der klareren Datenlagen im ganzen Thema: Eine Auswertung von acht Studien mit 4.702 Frauen fand, dass Östrogen, das in die Scheide gegeben wird, wiederkehrende Harnwegsinfekte deutlich senkte (relatives Risiko 0,42). Östrogen als Tablette brachte dagegen keinen Effekt (Chen und Kollegen, International Urogynecology Journal, 2021). Das ist ein überraschender Befund: Nicht das Hormon als solches wirkt, sondern der Ort, an dem es ankommt.
Die deutsche S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause sieht bei symptomatischer Scheidentrockenheit zunächst Feuchtigkeitscremes und Gleitmittel vor, allein oder kombiniert mit anderen Maßnahmen (AWMF 015-062, Konsultationsfassung 2026). Wie lokale Hormone im Alltag funktionieren, steht in Östrogencreme: Erfahrungen, die Grundlagen in Vaginale Trockenheit: Was hilft. Wer vor allem mit der Blase kämpft, findet mehr unter Blasenschwäche und Harndrang, und wenn der Schmerz beim Sex auftritt, unter Schmerzen beim Sex.
Darm: das Ziehen, das gar nicht aus dem Becken kommt
Ein Schmerz im Unterbauch kann auch der Darm sein, etwa bei Reizdarm, Verstopfung oder Blähungen. Ob es der Darm ist, erkennt man daran, dass der Schmerz mit dem Essen oder dem Stuhlgang zusammenhängt und nach dem Toilettengang besser wird. Mehr dazu in Blähbauch in den Wechseljahren.
Wann es nicht warten sollte
Jetzt zu dem Teil, bei dem ich nicht diplomatisch sein möchte. Die meisten Unterleibsschmerzen in den Wechseljahren sind harmlos. Einige sind es nicht, und die kann man benennen.
Sofort abklären lassen (am selben Tag oder in der Notaufnahme):- Sehr starke, plötzlich einsetzende einseitige Schmerzen, besonders mit Übelkeit oder Erbrechen
- Unterbauchschmerzen mit Fieber oder Schüttelfrost
- Ein harter, gespannter Bauch mit starken Schmerzen
- Starke Blutung mit Kreislaufbeschwerden
- Jede Blutung nach der Menopause, also mehr als zwölf Monate nach der letzten Periode (Hintergrund in Blutungen in der Perimenopause: wann zum Arzt)
- Schmerzen, die seit Wochen anhalten oder zunehmen
- Auffälliger, blutiger oder übel riechender Ausfluss
- Ein tastbarer Knoten oder ein Bauch, der sichtbar größer wird
Besonders wichtig ist ein Muster, das in einer Studie der Seattler Gynäkologin Barbara Goff untersucht wurde. Sie verglich 149 Frauen mit Eierstockkrebs mit Frauen ohne Krebs. Auffällig waren Bauch- oder Beckenschmerzen, ein größerer Bauchumfang oder Blähgefühl, Völlegefühl beim Essen und häufiger Harndrang, wenn sie an mehr als zwölf Tagen im Monat auftraten und weniger als ein Jahr bestanden. Der daraus entwickelte Symptom-Index erkannte 56,7 Prozent der frühen und 79,5 Prozent der fortgeschrittenen Erkrankungen und hatte bei Frauen über 50 eine Spezifität von 90 Prozent (Goff und Kollegen, Cancer, 2007).
Das ist kein Test, den man zu Hause machen sollte, und er bedeutet auch nicht, dass jede Frau mit Bauchweh Krebs hat. Eierstockkrebs ist selten. Der Wert der Studie liegt woanders: Sie zeigt, dass neue, häufige und anhaltende Beschwerden im Bauchraum bei Frauen mittleren Alters nicht als Befindlichkeit abgetan werden sollten. Wie das in Deutschland eingeordnet wird, steht ausführlicher im Artikel zum Blähbauch.
Was bei der Untersuchung passiert
Normalerweise beginnt es mit dem Gespräch (da hilft dein Schmerzprotokoll), einer Tastuntersuchung und einem Ultraschall durch die Scheide. Der zeigt Gebärmutter, Schleimhaut und Eierstöcke ziemlich genau. Je nach Verdacht kommen Urinprobe, Abstrich oder Blutwerte dazu. Der Tumormarker CA 125 ist kein Routinetest für alle, sondern ein Baustein, wenn Ultraschall oder Beschwerden dazu Anlass geben (McDonald und Modesitt, 2006).
Was dir im Alltag helfen kann
Hier gilt: Erst klären, dann behandeln. Wenn eine Ursache gefunden ist, richtet sich die Behandlung danach. Für die vielen Fälle, in denen die Ärztin nichts Bedrohliches findet und trotzdem das Ziehen bleibt, gibt es ein paar Dinge, die vernünftig sind:
- Wärme. Eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen entspannen krampfende Muskulatur. Eine Studiensensation ist das nicht, aber es ist risikolos.
- Bewegung. Spazieren, Schwimmen oder leichte Gymnastik können Verspannungen im Becken lösen.
- Lokales Östrogen oder Feuchtigkeitscreme bei Scheidentrockenheit. Hier ist die Datenlage am besten, siehe oben. Das ist ein Gespräch für die Frauenarztpraxis.
- Schmerzmittel nach Rücksprache. Ibuprofen hilft bei krampfartigen Schmerzen vielen Frauen, sollte aber nicht dauerhaft ohne ärztlichen Rat genommen werden (das ist meine Einordnung, keine Leitlinienaussage), vor allem bei Magenproblemen, Nierenerkrankung oder Bluthochdruck.
- Trinken und Verdauung im Blick halten. Bei Blasenbeschwerden und bei Verstopfung hilft ausreichend Flüssigkeit, bei Blasenentzündung ersetzt sie aber keine Behandlung.
Was ich davon halte
Mich beschäftigt an diesem Thema vor allem die Lücke zwischen zwei Sätzen. Der eine lautet "Das sind die Wechseljahre". Der andere lautet "Das muss abgeklärt werden". Beide stimmen oft, und welcher gerade gilt, kann man von außen schwer sagen. Die Myom-Studie ist dafür ein gutes Beispiel: Wenn mehr als die Hälfte der Frauen ohne bisherige Diagnose einen Knoten im Bauch trägt, sagt ein Myom auf dem Ultraschallbild allein wenig darüber, woher der Schmerz kommt.
Mein Rat wäre deshalb unaufgeregt: Ein einmaliges Ziehen im Zyklus-Wirrwarr der Perimenopause darf man beobachten. Beschwerden, die neu, häufig und anhaltend sind, gehören innerhalb weniger Wochen in eine Untersuchung. Und wer eine Frauenärztin hat, die zuhört, sollte diese Beziehung pflegen. Sie ist in dieser Lebensphase mehr wert als jede Creme.
Quellen: Baird DD, Dunson DB, Hill MC, Cousins D, Schectman JM: "High cumulative incidence of uterine leiomyoma in black and white women: ultrasound evidence", Am J Obstet Gynecol, 2003 (PMID 12548202) · Burger HG, Hale GE, Dennerstein L, Robertson DM: "Cycle and hormone changes during perimenopause: the key role of ovarian function", Menopause, 2008 (PMID 18574431) · Lippman SA et al.: "Uterine fibroids and gynecologic pain symptoms in a population-based study", Fertil Steril, 2003 · McDonald JM, Modesitt SC: "The incidental postmenopausal adnexal mass", Clin Obstet Gynecol, 2006 (PMID 16885657) · Chen YY, Su TH, Lau HH: "Estrogen for the prevention of recurrent urinary tract infections in postmenopausal women: a meta-analysis of randomized controlled trials", Int Urogynecol J, 2021 (PMID 32564121) · Goff BA et al.: "Development of an ovarian cancer symptom index: possibilities for earlier detection", Cancer, 2007 (PMID 17154394) · StatPearls: "Genitourinary Syndrome of Menopause", NCBI Bookshelf (NBK559297) · AWMF: S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause, Registernummer 015-062, Konsultationsfassung 2026 · Apotheken Umschau: "Myome in den Wechseljahren" Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Er fasst den veröffentlichten Forschungsstand zusammen; die Einordnung des Einzelfalls gehört in fachkundige Hände.
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