Im Jahr 1873 veröffentlichte der deutsche Arzt Ferdinand Runge in der Berliner klinischen Wochenschrift eine Arbeit über den Schreibkrampf. Sie handelt von Leuten, denen das Schreiben Schmerzen bereitete, und sie gilt heute fast überall als erste Beschreibung dessen, was wir Tennisellenbogen nennen. Gelesen wurde sie lange kaum, weil sie auf Deutsch war; erst 2022 erschien eine vollständige englische Übersetzung (Stegink-Jansen und Kollegen, Clinical Anatomy, 2022). Den Namen bekam das Leiden zehn Jahre später in England, wo gerade das Rasentennis Mode wurde: 1883 schrieb der Arzt H. P. Major im British Medical Journal vom „lawn-tennis elbow".
Der Name hat sich gehalten, obwohl er von Anfang an in die Irre führte. Viele Menschen mit Tennisarm haben nie einen Schläger in der Hand gehabt. Sie tragen Einkaufstaschen, schneiden Hecken, tippen den ganzen Tag, heben Enkelkinder hoch oder schrauben Gläser auf. Und auffallend viele von ihnen sind Mitte vierzig bis Mitte fünfzig. Genau das Alter, in dem bei Frauen die Wechseljahre laufen.
Ist das Zufall? Ganz geklärt ist es nicht. Hier steht, was dazu belegt ist und was gegen den Schmerz tatsächlich etwas bringt.
Woran du einen Tennisarm erkennst
Der Schmerz sitzt außen am Ellenbogen, an dem kleinen Knochenvorsprung, den man ertasten kann, wenn der Arm angewinkelt ist. Medizinisch heißt er Epicondylus lateralis, die Erkrankung Epicondylitis oder, korrekter, Epicondylopathia humeri radialis. Dort setzen die Muskeln an, die Handgelenk und Finger nach oben strecken. Typisch ist, dass der Schmerz bei ganz alltäglichen Bewegungen kommt: die volle Kaffeetasse anheben, eine Türklinke drücken, Wäsche auswringen, jemandem die Hand geben. Oft strahlt er in den Unterarm aus, und viele merken, dass ihr Griff schwächer geworden ist.
Ärztinnen stellen die Diagnose in der Regel ohne Gerät. Die deutsche S2k-Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, sie klinisch zu stellen (DGOOC, AWMF-Register 033-019, Stand 2019). In einer koreanischen Untersuchung mit 937 Teilnehmenden galten drei Kriterien: Schmerz außen am Ellenbogen, Druckschmerz genau auf dem Knochenvorsprung und Schmerz, wenn man bei gestrecktem Arm das Handgelenk gegen Widerstand nach oben zieht (Park und Kollegen, Orthopaedic Journal of Sports Medicine, 2021). Den letzten Test kannst du vorsichtig selbst ausprobieren. Er ersetzt aber keine Untersuchung, denn außen am Ellenbogen kann auch anderes wehtun, dazu weiter unten mehr.
Das Gegenstück auf der Innenseite heißt Golferellenbogen. Er ist deutlich seltener: In einer finnischen Bevölkerungsstudie hatten 1,3 Prozent der 30- bis 64-Jährigen einen eindeutigen Tennisarm und 0,4 Prozent einen Golferarm (Shiri und Kollegen, American Journal of Epidemiology, 2006).
Keine Entzündung, auch wenn es so heißt
Die Endung „-itis" steht in der Medizin für Entzündung. Beim Tennisellenbogen ist das ein historischer Irrtum. Als die Chirurgen Bruce Kraushaar und Robert Nirschl Gewebe untersuchten, das sie bei Operationen entnommen hatten, fanden sie kaum Entzündungszellen. Stattdessen sahen sie ungeordnete Kollagenfasern und neu eingesprossene, wirre Blutgefäße, also ein Gewebe, das versucht hat zu heilen und dabei steckengeblieben ist (Journal of Bone and Joint Surgery, 1999). Die deutsche Leitlinie formuliert es so: Eine Entzündung sei „nicht die Hauptursache", man gehe von einer degenerativen Komponente durch kleinste Verletzungen aus.
Das ist mehr als Wortklauberei. Wer glaubt, eine Entzündung zu haben, will sie beruhigen: schonen, kühlen, Kortison. Wer verstanden hat, dass eine Sehne mit ihrem Umbau nicht hinterherkommt, kommt eher auf die Idee, sie gezielt und dosiert wieder an Last zu gewöhnen. Die Studien geben der zweiten Sichtweise recht.
Warum gerade zwischen 45 und 54?
In der finnischen Studie lag der Gipfel bei 45 bis 54 Jahren, Männer und Frauen waren dort gleich häufig betroffen (Shiri 2006). Die deutsche Leitlinie nennt dasselbe Altersfenster als Risikofaktor und gibt für die 40- bis 60-Jährigen eine Häufigkeit von etwa 11 Neuerkrankungen pro 1000 Menschen und Jahr in der Hausarztpraxis an.
Ob Frauen öfter betroffen sind, hängt davon ab, wen man fragt. In Finnland gab es keinen Unterschied. In der koreanischen Studie, durchgeführt in einer ländlichen Region mit vielen Landarbeiterinnen und Landarbeitern, hatten Frauen ein fast zweieinhalbfach höheres Risiko (Park 2021). Eine Auswertung von 25 Jahren Krankenhausdaten aus Hongkong mit fast 37.000 Patientinnen und Patienten fand, dass der Tennisarm die häufigste aller Sehnenerkrankungen war, dass vor allem 40- bis 59-Jährige betroffen waren und dass Frauen bei mehreren Sehnenerkrankungen höhere Raten hatten (Lau und Kollegen, Scientific Reports, 2026).
Was diese Studien nicht zeigen: dass die Wechseljahre den Tennisarm verursachen. Keine von ihnen hat den Hormonstatus gemessen. Das Alter überschneidet sich, und das ist zunächst alles.
Was über Östrogen und Sehnen bekannt ist
Es gibt einen plausiblen Mechanismus. Sehnen bestehen überwiegend aus Kollagen, und Östrogen beeinflusst, wie schnell es erneuert wird. Eine dänische Arbeitsgruppe um Mette Hansen verglich Frauen nach der Menopause, die Östrogen einnahmen, mit Frauen, die es nicht taten. Bei den Östrogen-Nutzerinnen wurde in der Sehne deutlich mehr Kollagen neu gebildet (Journal of Applied Physiology, 2009). Allerdings waren das je zehn Frauen, und untersucht wurde eine Sehne am Bein, nicht der Ellenbogen. Was das allgemein für Sehnen bedeutet, haben wir im Artikel über Sehnenprobleme in den Wechseljahren ausführlicher beschrieben.
Daraus könnte man schließen: Weniger Östrogen, langsamere Reparatur, anfälligere Sehnen, also müsste eine Hormontherapie schützen. Genau das hat eine große Registerstudie aus den USA geprüft, und das Ergebnis war das Gegenteil. Ein Team der Mayo Clinic nahm Frauen ab 45, bei denen irgendeine größere Sehnenerkrankung diagnostiziert worden war, und verglich rund 64.000, die eine systemische Hormontherapie nahmen, mit ebenso vielen ähnlichen Frauen ohne. In der Hormongruppe lautete die Diagnose häufiger Tennisarm: 27,8 Prozent gegenüber 22,7 Prozent (Bcharah und Kollegen, Orthopaedic Journal of Sports Medicine, 2026). Auch Golferarm und Schultersehnenrisse waren häufiger.
Ich halte es für voreilig, daraus zu schließen, dass Hormone den Ellenbogen schädigen. Solche Datenbanken zeigen Diagnosen, keine Ursachen. Mein Verdacht: Frauen, die eine Hormontherapie bekommen, sind ohnehin in ärztlicher Betreuung, gehen öfter hin und bekommen ihre Beschwerden eher einen Namen. Belegt ist das für diese Studie nicht. Die Autoren selbst nennen die Unterschiede „bescheiden". Für die Praxis heißt das aber eindeutig: Es gibt keinen Beleg, dass eine Hormontherapie einen Tennisarm verhindert oder heilt. Als Behandlung dafür taugt sie nicht.
Eine Gruppe, bei der der Zusammenhang mit Östrogen klarer ist, sind Frauen nach Brustkrebs, die Aromatasehemmer einnehmen. Diese Medikamente senken das Östrogen fast vollständig, und Gelenk- und Sehnenbeschwerden gehören zu ihren häufigsten Nebenwirkungen. Eine systematische Übersicht beschreibt in Bildgebungsstudien verdickte Sehnenscheiden und Flüssigkeit um die Sehnen (Jatan und Kollegen, Cancer Treatment Reviews, 2026). Wer unter einer solchen Therapie neue Ellenbogenschmerzen bekommt, sollte das der Onkologin sagen und das Medikament nicht eigenmächtig absetzen.
Was sonst dahintersteckt
Wenn die Hormone allenfalls den Hintergrund liefern, was ist dann der Auslöser? Die Leitlinie spricht von einem „kumulativen Effekt von mechanischer Überbelastung, neurologischer Irritation und metabolischen Veränderungen". Was das konkret heißt, lässt sich ziemlich genau beziffern.
Den stärksten Effekt hat Arbeit, die Wiederholung und Kraft kombiniert. In der finnischen Studie hatten Menschen, deren Tätigkeit beides verlangte, ein mehr als fünffach erhöhtes Risiko (Shiri 2006). Die Leitlinie nennt als Größenordnung mindestens zwei Stunden täglich und Lasten über 20 Kilogramm. Tennis und Instrumentenspiel sind dort die Beispiele, im Alltag kann es genauso gut ein Umzug sein, eine Gartensaison oder ein Baby in der Familie, das ständig gehoben werden will.
Rauchen spielt mehr mit, als man denken würde: Raucherinnen und frühere Raucherinnen hatten in Finnland ein etwa dreifach höheres Risiko. Übergewicht zählt die Leitlinie ebenfalls zu den Risikofaktoren.
Und dann gibt es eine Ursache, die kaum jemand auf dem Schirm hat. Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone, etwa Ciprofloxacin oder Levofloxacin, können Sehnen schädigen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel hat 2019 in einem Rote-Hand-Brief vor Sehnenentzündungen und -rissen gewarnt, die auch noch Monate nach der Einnahme auftreten können. Meist trifft es die Achillessehne, Fälle am Ellenbogen sind aber beschrieben (Le Huec und Kollegen, Journal of Bone and Joint Surgery, 1995).
Mein Eindruck aus der Studienlage: In den Wechseljahren treffen mehrere Dinge zusammen. Die Sehnen erneuern sich vermutlich etwas langsamer, die Muskelkraft nimmt ab, wenn man nichts dagegen tut, und gleichzeitig ist es oft die Lebensphase mit Pflege von Eltern, Enkeln, Renovierungen und viel Bildschirmarbeit. Die Sehne ist dann überfordert. Kaputt ist sie in aller Regel nicht.
Was hilft, und was eher nicht
Abwarten ist keine schlechte Option
Das klingt unbefriedigend, ist aber die wichtigste Nachricht. Die Leitlinie hält fest, dass der Tennisarm meist von selbst ausheilt, innerhalb von bis zu zwei Jahren, wobei die akute Schmerzphase sechs bis zwölf Wochen dauern kann. Sie empfiehlt ausdrücklich, „das hohe Selbstheilungspotential" auszuschöpfen und nicht zu operieren. In einer australischen Studie mit 198 Teilnehmenden ging es nach einem Jahr den meisten Menschen gut, egal ob sie Physiotherapie bekommen oder einfach abgewartet hatten (Bisset und Kollegen, BMJ, 2006).
Einen Haken gibt es: In einer großen Auswertung aus Minnesota hatte etwa jeder zehnte Mensch, dessen Beschwerden nach sechs Monaten noch da waren, später eine Operation (Sanders und Kollegen, American Journal of Sports Medicine, 2015). Wer nach einem halben Jahr keine Besserung spürt, sollte sich deshalb gründlicher untersuchen lassen.
Die Kortisonspritze: schnell, aber mit Rückfall
Die Spritze wirkt, und zwar schnell. In der Studie von Bisset ging es den Gespritzten nach sechs Wochen deutlich besser als allen anderen. Danach kippte das Bild: 47 von 65 Menschen, denen die Spritze zunächst geholfen hatte, später einen Rückfall. Noch deutlicher war eine zweite Studie aus Brisbane mit 165 Patientinnen und Patienten: Nach einem Jahr waren mit Kortison 83 Prozent geheilt oder deutlich gebessert, mit einer Spritze ohne Wirkstoff 96 Prozent. Die Rückfallrate lag bei 54 gegenüber 12 Prozent (Coombes und Kollegen, JAMA, 2013).
Die deutsche Leitlinie fasst zusammen, dass Kortison-Injektionen „zu keiner langfristigen Besserung" führen und Komplikationen haben können, etwa Hautverfärbungen oder einen Schwund des Fettgewebes unter der Haut. Wenn du vor einem wichtigen Termin schnell schmerzfrei sein musst, kann eine Spritze trotzdem eine bewusste Entscheidung sein. Du solltest nur wissen, dass du dir die schnelle Linderung möglicherweise mit einem längeren Verlauf erkaufst.
Kraft statt Schonung
Die Leitlinie empfiehlt eine „Trainingstherapie mit progressiver Belastung für die Handgelenkstrecker". Gemeint ist: die Muskeln, die am schmerzenden Knochenvorsprung ansetzen, langsam und steigernd kräftigen. Eine Auswertung von 30 Studien mit 2123 Teilnehmenden kam zu dem Ergebnis, dass Übungen besser abschneiden als passive Behandlungen und langfristig auch besser als Kortison, vor allem beim schmerzfreien Griff (Karanasios und Kollegen, British Journal of Sports Medicine, 2021). Die Autoren betonen aber, dass der Effekt klein ist und die Gewissheit der Ergebnisse niedrig.
Eine verbreitete Übung geht so: Unterarm auf dem Oberschenkel oder einer Tischkante ablegen, Handfläche nach unten, eine leichte Hantel oder eine Wasserflasche in der Hand. Mit der anderen Hand das Handgelenk nach oben bringen, dann aus eigener Kraft langsam absenken, über drei bis vier Sekunden. Wie viel Gewicht, wie oft und wann du steigerst, besprichst du am besten mit einer Physiotherapeutin. Ein Krafttraining für den ganzen Körper schadet in dieser Lebensphase ohnehin nicht.
Eine Netzwerk-Analyse von 2024 dämpft die Erwartungen allerdings: Keine Behandlung beschleunigte die Schmerzlinderung in den ersten sechs Wochen nachweisbar stärker als Placebo. Erst mittelfristig, bis zu sechs Monaten, zeigte Physiotherapie mit Übungen einen messbaren Vorteil (Lowdon und Kollegen, Journal of Hand Surgery, 2024).
Bandagen, Tapes, Stoßwellen, Eigenblut
- Epicondylitis-Spangen, die wenige Zentimeter unterhalb des Ellenbogens um den Unterarm sitzen: Die Leitlinie hält sie für eine mögliche Option, „wobei ein Wirksamkeitsbeweis fehlt". Eine Auswertung von 17 Studien fand kurzfristig keinen klaren Vorteil gegenüber Physiotherapie, langfristig schnitt Physiotherapie besser ab (Shahabi und Kollegen, Prosthetics and Orthotics International, 2020).
- Die Stoßwellentherapie kann laut Leitlinie bei hartnäckigen Verläufen eingesetzt werden. Der IGeL-Monitor hat 2025 zwanzig Studien ausgewertet, keinen verlässlichen Vorteil gefunden und den Nutzen als „unklar" bewertet. Die gesetzlichen Kassen zahlen sie beim Tennisarm nicht, ein Behandlungszyklus kostet laut IGeL-Monitor etwa 120 bis 620 Euro.
- Für Spritzen mit Eigenblut oder PRP gibt es laut Leitlinie „nicht genügend wissenschaftliche Evidenz" für oder gegen ihren Einsatz. Eine neuere Auswertung sieht langfristig Vorteile gegenüber Kortison (American Journal of Sports Medicine, 2024), aber nach den Ergebnissen oben ist das eine niedrige Messlatte.
- Ein Schmerzgel mit einem entzündungshemmenden Wirkstoff kann laut Leitlinie für einige Wochen die Schmerzen lindern und ist dabei verträglicher als Tabletten.
Ehrlich gesagt: Bei all diesen Mitteln würde ich zuerst fragen, ob die Übungen konsequent gemacht wurden. Sie sind billig, haben kaum Nebenwirkungen und sind das, was die Leitlinie als Basis empfiehlt.
Im Alltag
Hier gibt es kaum Studien, aber die Mechanik ist einfach: Alles, was die Handgelenkstrecker unter Zug setzt, reizt den Sehnenansatz. Ich würde deshalb Taschen mit der Handfläche nach oben tragen oder gleich einen Rucksack nehmen, schwere Lasten auf beide Arme verteilen, beim Tippen die Handgelenke nicht nach oben abknicken und bei Werkzeug und Gartengeräten dickere Griffe wählen. Den Arm ganz ruhigzustellen, ergibt nach allem, was oben über Übungen steht, wenig Sinn.
Wenn es nicht der Tennisarm ist
Außen am Ellenbogen kann vieles wehtun. Die Leitlinie listet über zwanzig Differentialdiagnosen auf, von Arthrose im Ellenbogengelenk über eingeklemmte Nerven bis zu rheumatischen Erkrankungen und, selten, Tumoren. Für dich sind vor allem diese Hinweise wichtig:
- Kribbeln oder Taubheit in Hand und Fingern spricht eher für einen Nerv, etwa den Speichennerv am Unterarm, oder für ein Problem an der Halswirbelsäule. Ein Taubheitsgefühl im kleinen Finger weist auf den Ellennerv hin. Mehr dazu im Artikel zum Karpaltunnelsyndrom.
- Begleitende Nackenschmerzen nennt die Leitlinie als Zeichen für einen schlechteren Verlauf. Dann lohnt es sich, die Halswirbelsäule mit untersuchen zu lassen.
- Schmerzen an vielen Stellen gleichzeitig, morgens steife und geschwollene Fingergelenke: Das passt eher zu einer rheumatischen Erkrankung oder den allgemeinen Gelenkschmerzen in den Wechseljahren als zu einem einzelnen überlasteten Sehnenansatz. Schmerzen an Daumen und Handgelenk beim Greifen sind dagegen oft eine Sehnenscheidenentzündung.
Wann du nicht warten solltest
Ein Tennisarm ist lästig, aber kein Notfall. Zügig ärztlich ansehen lassen solltest du den Ellenbogen, wenn:
- er nach einem Sturz oder Schlag schmerzt und das Strecken oder Beugen nicht mehr geht
- er rot, geschwollen und warm ist, besonders mit Fieber
- der Schmerz auch in Ruhe und nachts stark ist und nicht von Bewegung abhängt
- die Kraft in Hand oder Fingern deutlich nachlässt oder Taubheit dazukommt
- die Beschwerden nach einer Antibiotika-Behandlung mit einem Fluorchinolon begonnen haben
- es nach sechs Monaten konsequenter Übungen nicht besser wird
Ein Ultraschall oder eine MRT kommt laut Leitlinie vor allem bei chronischen Verläufen über sechs Monate infrage, vorher bringt sie selten etwas, das die Behandlung ändert.
Kurz gesagt
Der Tennisellenbogen hat mit Tennis wenig zu tun und ist am häufigsten zwischen 45 und 54, also mitten in den Wechseljahren. Dass der Östrogenabfall die Sehnenreparatur verlangsamt, ist plausibel, aber nicht für den Ellenbogen belegt, und eine Hormontherapie schützt nach heutigem Wissen nicht davor. Der eigentliche Auslöser ist fast immer eine Last, an die die Sehne nicht gewöhnt ist. Die meisten Fälle heilen innerhalb von ein bis zwei Jahren von selbst. Langsam gesteigerte Kraftübungen sind die am besten belegte Hilfe, die Kortisonspritze bringt schnelle Linderung, aber häufiger Rückfälle.
Quellen: Stegink-Jansen CW et al.: "Translation of Runge's 1873 publication 'On the etiology and treatment of writer's cramp': The first description of 'tennis elbow'", Clin Anat, 2022 (PMID 34967051) · Major HP: "Lawn-tennis elbow", BMJ, 1883 · Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie: S2k-Leitlinie Epicondylopathia radialis humeri, AWMF-Register 033-019, Stand 26.06.2019 · Shiri R et al.: "Prevalence and determinants of lateral and medial epicondylitis: a population study", Am J Epidemiol, 2006 (PMID 16968862) · Park HB et al.: "Factors Associated With Lateral Epicondylitis of the Elbow", Orthop J Sports Med, 2021 (PMID 34036114) · Lau KKL et al.: "Incidence rates of tendinopathies and non-traumatic tendon ruptures in Hong Kong: a 25-year epidemiological study", Sci Rep, 2026 (PMID 41526611) · Kraushaar BS, Nirschl RP: "Tendinosis of the elbow (tennis elbow)", J Bone Joint Surg Am, 1999 (PMID 10073590) · Hansen M et al.: "Effect of estrogen on tendon collagen synthesis, tendon structural characteristics, and biomechanical properties in postmenopausal women", J Appl Physiol, 2009 (PMID 18927264) · Bcharah G et al.: "Association Between Hormone Replacement Therapy and Incidence of Tendon Injuries and Surgical Repair in Perimenopausal Women", Orthop J Sports Med, 2026 (PMID 42212202) · Jatan N et al.: "Mechanisms and biomarkers for musculoskeletal signs and symptoms in patients treated with aromatase inhibitors", Cancer Treat Rev, 2026 (PMID 41506128) · BfArM: Rote-Hand-Brief zu Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika, 08.04.2019 · Le Huec JC et al.: "Epicondylitis after treatment with fluoroquinolone antibiotics", J Bone Joint Surg Br, 1995 (PMID 7706350) · Bisset L et al.: "Mobilisation with movement and exercise, corticosteroid injection, or wait and see for tennis elbow: randomised trial", BMJ, 2006 (PMID 17012266) · Sanders TL et al.: "The epidemiology and health care burden of tennis elbow: a population-based study", Am J Sports Med, 2015 (PMID 25656546) · Coombes BK et al.: "Effect of corticosteroid injection, physiotherapy, or both on clinical outcomes in patients with unilateral lateral epicondylalgia", JAMA, 2013 (PMID 23385272) · Karanasios S et al.: "Exercise interventions in lateral elbow tendinopathy have better outcomes than passive interventions, but the effects are small", Br J Sports Med, 2021 (PMID 33148599) · Lowdon H et al.: "Comparison of Interventions for Lateral Elbow Tendinopathy: A Systematic Review and Network Meta-Analysis", J Hand Surg Am, 2024 (PMID 38678448) · Shahabi S et al.: "The effects of counterforce brace on pain in subjects with lateral elbow tendinopathy", Prosthet Orthot Int, 2020 (PMID 32635812) · "Platelet-Rich Plasma Has Better Results for Long-term Functional Improvement and Pain Relief for Lateral Epicondylitis: A Systematic Review", Am J Sports Med, 2024 (PMID 38357713) · IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund): Bewertung Stoßwellentherapie beim Tennisarm, Pressemitteilung 19.08.2025 Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Er fasst den veröffentlichten Forschungsstand zusammen; die Einordnung des Einzelfalls gehört in fachkundige Hände.
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