1987 veröffentlichte die Londoner Ärztin Katharina Dalton eine Arbeit, die ihr eigenes Fachgebiet in ein unbequemes Licht rückte. Dalton hatte den Begriff „prämenstruelles Syndrom" mitgeprägt, und Vitamin B6 galt damals als harmloses Mittel dagegen. In ihrer Praxis fielen ihr 172 Frauen mit erhöhtem B6-Spiegel im Blut auf. 60 Prozent davon hatten neurologische Beschwerden: Kribbeln, Überempfindlichkeit, Taubheit, Schmerzen, meist an Händen und Füßen, fast immer auf beiden Seiten. Die Betroffenen hatten im Schnitt 117 Milligramm am Tag genommen, über fast drei Jahre. Nachdem sie das Vitamin abgesetzt hatten, verschwanden die Beschwerden innerhalb von sechs Monaten (Dalton & Dalton, Acta Neurologica Scandinavica, 1987).
Vierzig Jahre davor hatte der indische Ernährungsforscher Coluthur Gopalan das Gegenteil beschrieben. Unter armen Frauen in Südindien, meist zwischen 20 und 40, fand er ein Leiden, das schon ein britischer Militärarzt namens James Grierson 1826 in Kalkutta notiert hatte: Füße, die brannten, vor allem nachts. Gopalan führte es auf Mangelernährung zurück, auf zu wenig B-Vitamine (Gopalan, Indian Medical Gazette, 1946). Seitdem heißt das Beschwerdebild auch Grierson-Gopalan-Syndrom oder schlicht Burning-Feet-Syndrom.
Zu wenig Vitamin kann die Füße also brennen lassen, zu viel davon auch. Das ist ungefähr die Lage, wenn Frauen in der Lebensmitte mit brennenden Füßen in die Praxis kommen: Die Ursache ist selten eine einzige, und die naheliegende Erklärung „das sind halt die Hormone" ist die, die am wenigsten belegt ist. Was hinter dem Brennen stecken kann, was du selbst prüfen kannst und welche Untersuchung wirklich etwas bringt, steht hier.
Kommen brennende Füße von den Wechseljahren?
Die ehrliche Antwort: Das weiß niemand genau. Ich habe keine einzige Studie gefunden, die brennende Füße gezielt bei Frauen vor und nach der Menopause gezählt hätte.
Was es gibt, sind Hinweise aus der Nachbarschaft. Missempfindungen der Haut gehören seit Jahrzehnten zu den klassischen Wechseljahresbeschwerden. Der Kupperman-Index, ein Fragebogen aus den 1950er-Jahren, der bis heute in Studien verwendet wird, fragt ausdrücklich nach Parästhesien und nach Ameisenlaufen. Eine chinesische Erhebung mit über 51.000 Frauen zwischen 35 und 60 fand, dass genau diese beiden Beschwerden in der frühen Phase des Übergangs am stärksten ausgeprägt waren, also dann, wenn die Zyklen gerade anfangen, unregelmäßig zu werden (Wang et al., Menopause, 2025). Brennende Füße wurden dort aber nicht einzeln erfasst.
Meine Einschätzung: Es ist gut möglich, dass die schwankenden Hormone die Nerven empfindlicher machen und so ein leichtes Brennen auslösen oder verstärken. Wie das bei Kribbeln und brennender Haut aussieht, beschreiben die Artikel zu Nervenschmerzen in den Wechseljahren und zu Kribbeln in Armen und Beinen. Für die Füße gilt aber etwas Besonderes: Dort zeigt sich eine Schädigung der Nerven meist zuerst, weil die Nervenfasern zu den Zehen die längsten im Körper sind. Deshalb sind brennende Füße ein Symptom, bei dem man die Hormone erst dann als Erklärung akzeptieren sollte, wenn das Naheliegendere ausgeschlossen ist.
Was da eigentlich brennt
Wenn Füße brennen, ohne dass man etwas sieht, stecken oft die sogenannten kleinen Nervenfasern dahinter. Das sind dünne, zum Teil nicht von einer Isolierschicht umgebene Fasern, die Temperatur und Schmerz melden. Sind sie geschädigt, spricht man von einer Small-Fiber-Neuropathie. Typisch sind Brennen, Stechen, ein Gefühl von Hitze oder Kälte ohne passenden Anlass und eine Überempfindlichkeit, bei der schon die Bettdecke wehtut. Viele merken es abends und nachts am stärksten, wenn nichts anderes ablenkt.
Der Haken: Die übliche Nervenmessung, die Elektroneurographie, prüft nur die dicken Fasern. Bei einer reinen Small-Fiber-Neuropathie ist sie deshalb oft völlig normal. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie empfiehlt in diesem Fall, gezielt das Wärme-, Kälte- und Schmerzempfinden zu testen, und hält eine kleine Hautstanze vom Unterschenkel für hilfreich, bei der unter dem Mikroskop die Nervenfasern in der Haut gezählt werden (S1-Leitlinie Diagnostik bei Polyneuropathien, AWMF 030-067, 2024). Wer also mit einem unauffälligen Befund vom Neurologen kommt und trotzdem jeden Abend brennende Füße hat, bildet sich nichts ein. Es wurde womöglich nur das Falsche gemessen.
Wie häufig das ist, lässt sich schwer sagen. Eine Auswertung aus der Region Maastricht kam auf mindestens 53 Fälle pro 100.000 Einwohner, mit dem Hinweis, dass das eine Untergrenze ist, weil viele Fälle nie erkannt werden. Interessant für dieses Magazin: Dort waren Männer etwas häufiger betroffen als Frauen, 56 zu 44 Prozent (Peters et al., Neurology, 2013). Eine typische Frauenkrankheit ist die Small-Fiber-Neuropathie also nicht.
Die Ursachen, die ab Mitte 40 häufiger werden
In der bisher größten Untersuchung dazu wurden 921 Menschen mit Small-Fiber-Neuropathie systematisch durchgecheckt. Bei 53 Prozent fand sich keine Ursache (de Greef et al., European Journal of Neurology, 2018). Das klingt frustrierend, heißt aber auch: Bei fast der Hälfte gibt es etwas, das man finden und behandeln kann. Vorne lagen Autoimmunerkrankungen, erbliche Veränderungen an Natriumkanälen der Nerven, Diabetes einschließlich seiner Vorstufen und Vitamin-B12-Mangel. Mehrere davon werden in den Jahren um die Menopause häufiger.
Zuerst der Blutzucker, auch wenn der Nüchternwert stimmt. Ein Team aus Utah untersuchte 107 Menschen mit Nervenschmerzen ohne bekannte Ursache. 34 Prozent hatten eine gestörte Glukosetoleranz, fast dreimal so viele wie gleich alte Vergleichspersonen. Der Punkt, den ich für den wichtigsten des ganzen Artikels halte: Bei vielen waren Nüchternzucker und HbA1c normal, auffällig wurde erst der Zuckerbelastungstest, bei dem man eine Zuckerlösung trinkt und nach zwei Stunden misst (Singleton et al., Diabetes Care, 2001). Die DGN-Leitlinie führt diesen oralen Glukosetoleranztest deshalb ausdrücklich in der Abklärung auf. Wenn bei dir nur der HbA1c bestimmt wurde, lohnt die Nachfrage.
Dann Vitamin B12. Der Körper braucht Magensäure, um B12 aus der Nahrung zu lösen. Wer über Jahre Magensäureblocker nimmt, etwa Pantoprazol oder Omeprazol, hat ein höheres Risiko für einen Mangel. In einer Auswertung von Kaiser Permanente in Kalifornien mit fast 26.000 Betroffenen war das Risiko nach zwei Jahren Einnahme um 65 Prozent erhöht, bei höheren Dosen fast verdoppelt (Lam et al., JAMA, 2013). Auch eine vegetarische oder vegane Ernährung ohne Ergänzung ist ein Grund, den Wert zu messen. Die Leitlinie empfiehlt bei niedrig-normalem Spiegel eine zusätzliche Bestimmung, weil der einfache Serumwert einen Mangel übersehen kann.
Die Schilddrüse. Eine Unterfunktion kann die kleinen Nervenfasern schädigen und steht in der Leitlinie in der Liste der zu prüfenden Ursachen, mit TSH, fT3 und fT4. Da die Symptome einer Unterfunktion und der Wechseljahre sich stark überschneiden, gibt es dazu einen eigenen Artikel.
Seltener, aber typisch für Frauen: das Sjögren-Syndrom. Diese Autoimmunerkrankung trocknet Augen und Mund aus und kann die Nerven mitbefallen. Sie trifft zu etwa neun von zehn Fällen Frauen (Universitätsspital Zürich). Wenn zu den brennenden Füßen hartnäckig trockene Augen oder ein trockener Mund kommen, ist das eine Kombination, die man einer Rheumatologin schildern sollte.
Alkohol und Zöliakie stehen ebenfalls in der Leitlinie. Alkohol schädigt die Nerven direkt, bei Zöliakie gibt es einen einfachen Bluttest auf Antikörper.
Vitamin B6: wenn das Präparat die Ursache ist
Zurück zu Katharina Dalton. Ihre Beobachtung ist heute aktueller als 1987, weil Vitamin B6 in vielen Kombinationspräparaten steckt, etwa neben Magnesium oder B12, und kaum jemand auf die Menge achtet.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat 2023 die tolerierbare Höchstmenge für die gesamte tägliche Aufnahme von B6 von 25 auf 12 Milligramm gesenkt. Als Grund nannte sie wieder das Auftreten peripherer Neuropathien. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt seitdem, Nahrungsergänzungsmitteln höchstens 0,9 Milligramm pro Tagesdosis zuzusetzen, weil man über die normale Ernährung bereits einen guten Teil aufnimmt (BfR, Höchstmengenvorschläge Vitamin B6, 2024). Wie weit ein Präparat darüber liegt, steht auf der Packung, und manchmal ist es ein Vielfaches.
Wie viel davon wirklich schadet, ist umstritten. Das niederländische Pharmakovigilanzzentrum Lareb hat 224 Meldungen über Neuropathien unter B6-Präparaten ausgewertet. Nach einer Absenkung der Höchstdosis in den Niederlanden 2018 gingen die Meldungen zurück, es kamen aber weiterhin Fälle mit niedrigen Dosen herein (van Hunsel et al., Pharmacoepidemiology and Drug Safety, 2025). Eine systematische Übersicht kommt zu dem Schluss, dass hohe B6-Spiegel eine überwiegend sensible Neuropathie auslösen können, die sich nach dem Absetzen nach Angaben der Betroffenen bessert (Muhamad et al., Nutrients, 2023).
Mein Rat ist hier eindeutiger als an den meisten anderen Stellen dieses Artikels: Wenn deine Füße brennen, leg alle Nahrungsergänzungsmittel auf den Tisch und lies die B6-Menge auf jeder Packung ab. Addiere sie. Nimm die Liste mit zur Ärztin, die kann auch den Spiegel bestimmen lassen. Das ist die billigste Untersuchung, die es für brennende Füße gibt.
Wenn nur die Fußsohle oder die Ferse brennt
Nicht jedes Brennen kommt aus den Nerven insgesamt. Einige Ursachen sitzen an einer bestimmten Stelle, und die Stelle verrät viel.
Brennt vor allem die Ferse beim ersten Schritt am Morgen und wird es nach ein paar Minuten Gehen besser, spricht das eher für eine Plantarfasziitis, also eine Reizung der Sehnenplatte unter dem Fuß. Das steht ausführlich im Artikel über Fußschmerzen in den Wechseljahren, wo auch das Morton-Neurom zwischen den Zehen und das Tarsaltunnelsyndrom an der Innenseite des Knöchels beschrieben sind. Beim Tarsaltunnelsyndrom wird ein Nerv eingeengt, typisch sind Kribbeln, Taubheit und ein brennender Schmerz an Sohle und Ferse (Österreichisches Gesundheitsportal, gesundheit.gv.at), der die Betroffenen oft nachts quält (netdoktor.de).
Die Faustregel, soweit es eine gibt: Brennen auf beiden Seiten, an beiden Fußsohlen gleich, das langsam von den Zehen nach oben wandert, deutet auf die Nerven insgesamt. Brennen an einer Stelle, auf einer Seite oder mit klarem Bezug zu Belastung deutet eher auf etwas Örtliches.
Und dann gibt es noch die banalste Erklärung: Fußpilz kann brennen und jucken, vor allem zwischen den Zehen. Ein Blick mit der Lesebrille lohnt sich, bevor man sich Sorgen um seine Nerven macht.
Rot, heiß und brennend: die Erythromelalgie
Eine seltene, aber gut erkennbare Form verdient einen eigenen Absatz. Bei der Erythromelalgie werden die Füße nicht nur als heiß empfunden, sie sind es auch: sichtbar rot, warm, und das Brennen kommt in Anfällen, ausgelöst durch Wärme, Bewegung oder warme Kleidung (NHS). In einer Auswertung aus Minnesota erkrankten Frauen etwa dreimal so häufig wie Männer, 2,0 gegenüber 0,6 pro 100.000 im Jahr (Reed & Davis, Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 2009).
Hier gibt es einen Fehler, den Betroffene fast instinktiv machen: die Füße in Eiswasser stellen. Der britische Gesundheitsdienst NHS rät ausdrücklich davon ab, Hände oder Füße mit kaltem Wasser oder Eis zu kühlen, weil das die Haut schädigen kann. Besser ist ein Ventilator oder ein kühles, nicht kaltes Gelpad für kurze Zeit (NHS, Erythromelalgia). Ich finde diesen Hinweis wichtig, weil kalte Fußbäder bei brennenden Füßen oft als Hausmittel empfohlen werden. Bei den meisten Ursachen schaden sie nicht. Bei dieser einen schon.
Brennen und Bewegungsdrang am Abend
Wenn das Brennen oder ein unangenehmes Ziehen in den Beinen abends in Ruhe kommt und nur besser wird, solange du dich bewegst, ist das eher das Restless-Legs-Syndrom als eine Nervenschädigung. Die Unterscheidung ist wichtig, weil die Behandlung eine ganz andere ist und Eisenmangel dabei eine große Rolle spielt. Mehr dazu im Artikel über das Restless-Legs-Syndrom in den Wechseljahren.
Eine kleine Nebenbeobachtung: Die kanadische Zahnärztin Miriam Grushka hat schon 2005 gefragt, ob Zungenbrennen und brennende Füße eine gemeinsame Ursache haben könnten (Grushka & Ching, Pain Research and Management, 2005). Beantwortet ist das bis heute nicht. Wer beides hat, findet im Artikel über Zungenbrennen in den Wechseljahren die Mundseite der Geschichte.
Was die Ärztin sinnvollerweise prüft
Die Leitlinie der Neurologen gibt eine recht klare Liste vor. Für die erste Runde beim Hausarzt reichen meist:
- Blutbild, Nüchternzucker und HbA1c, bei unklarem Befund ein Zuckerbelastungstest
- TSH, bei Auffälligkeit fT3 und fT4
- Vitamin B12, bei niedrig-normalem Wert eine genauere Bestimmung
- Leber- und Nierenwerte, dazu die Frage nach Alkohol
- die Frage nach Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln, einschließlich B6
Bleibt das unauffällig und brennt es weiter, ist eine Neurologin die richtige Adresse. Dort kommen die Nervenmessung, die gezielten Temperatur- und Schmerztests und gegebenenfalls die Hautbiopsie dazu. Bei Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung kommen Antikörpertests hinzu.
Es hilft, zum Termin ein paar Dinge aufzuschreiben: Seit wann? Beide Füße oder einer? Nur die Sohle oder auch der Fußrücken, und wandert es nach oben? Wann ist es am schlimmsten? Sind die Füße sichtbar rot oder nur gefühlt heiß? Was nimmst du ein, auch rezeptfrei?
Was hilft
Das Wirksamste ist, eine behandelbare Ursache zu finden. Ein B12-Mangel lässt sich ausgleichen, eine Schilddrüsenunterfunktion behandeln, ein zu hoch dosiertes B6-Präparat absetzen. Bei einem gestörten Zuckerstoffwechsel helfen Bewegung, Gewichtsabnahme und, falls nötig, Medikamente. Wie schnell und wie vollständig sich die Nerven erholen, ist unterschiedlich und oft eine Frage von Monaten, nicht Wochen. In Daltons Gruppe waren es bis zu sechs Monate.
Wenn keine Ursache gefunden wird oder das Brennen trotz Behandlung bleibt, gibt es Medikamente gegen Nervenschmerzen. Die wichtigste internationale Auswertung dazu umfasst 229 Studien. Sie empfiehlt als erste Wahl bestimmte Antidepressiva (trizyklische wie Amitriptylin und SNRI wie Duloxetin) sowie Pregabalin und Gabapentin. Die Zahlen sind nüchtern: Man muss etwa sechs bis acht Menschen mit Duloxetin, Pregabalin oder Gabapentin behandeln, damit eine Person mehr ihre Schmerzen halbiert, als es unter Placebo der Fall wäre (Finnerup et al., Lancet Neurology, 2015). Das ist keine Wunderwirkung, aber für die, bei denen es anschlägt, ein großer Unterschied. Hochdosierte Capsaicin-Pflaster, die in der Arztpraxis aufgeklebt werden, sind eine Option der zweiten Reihe. Welche Tablette passt, hängt von Schlaf, Stimmung, anderen Medikamenten und Nebenwirkungen ab, und das gehört in ein ärztliches Gespräch.
Was du im Alltag tun kannst, ist bescheidener, aber nicht wertlos:
- Luftige Schuhe und Socken aus Baumwolle oder Wolle statt Kunstfaser, abends die Füße aus der Decke lassen
- Kühlen mit einem Ventilator oder lauwarmem Wasser, nicht mit Eis
- Alkohol reduzieren, weil er die Nerven zusätzlich reizt und bei der Erythromelalgie Anfälle auslösen kann
- Füße täglich anschauen, besonders wenn das Gefühl nachlässt: Wer weniger spürt, bemerkt kleine Wunden später
Zur Hormontherapie: Mir ist keine Studie bekannt, die zeigt, dass Östrogen brennende Füße lindert. Wenn du wegen anderer Beschwerden ohnehin eine Hormontherapie erwägst und die Füße nebenbei besser werden, ist das schön. Als Behandlung gegen brennende Füße würde ich sie nach heutigem Wissensstand nicht beginnen.
Wann du nicht warten solltest
Brennende Füße sind fast nie ein Notfall. Zügig abklären lassen solltest du aber, wenn:
- zum Brennen eine Schwäche kommt, du etwa über die Fußspitze stolperst oder nicht mehr auf den Zehen stehen kannst
- die Beschwerden innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen deutlich nach oben steigen oder die Hände dazukommen
- sich Probleme mit Blase oder Darm einstellen
- nur ein Fuß betroffen ist und er geschwollen, rot und warm ist
- du Diabetes hast und eine Wunde am Fuß bemerkst, die nicht heilt
Ein rasch aufsteigendes Taubheitsgefühl mit Schwäche in den Beinen gehört noch am selben Tag in die Notaufnahme.
Kurz gesagt
Brennende Füße sind in den Wechseljahren nicht ungewöhnlich, aber es gibt keinen Beleg, dass die Hormone allein sie verursachen. Sie sind ein typisches Zeichen dafür, dass die kleinen Nervenfasern gereizt oder geschädigt sind, und dafür gibt es einige gut prüfbare Ursachen, die ab Mitte 40 häufiger werden: ein gestörter Zuckerstoffwechsel, der nur im Belastungstest auffällt, Vitamin-B12-Mangel, eine Schilddrüsenunterfunktion, Autoimmunerkrankungen und, leicht zu übersehen, zu viel Vitamin B6 aus Nahrungsergänzungsmitteln. Eine normale Nervenmessung schließt eine Small-Fiber-Neuropathie nicht aus. Und wenn die Füße sichtbar rot und heiß sind: kühlen ja, Eiswasser nein.
Quellen: Dalton K, Dalton MJ: "Characteristics of pyridoxine overdose neuropathy syndrome", Acta Neurol Scand, 1987 (PMID 3630649) · Gopalan C: "The burning-feet syndrome", Indian Med Gaz, 1946 (PMID 21025573) · Wang J et al.: "A survey of menopausal symptoms in Chinese community women based on the STRAW+10 staging system", Menopause, 2025 (PMID 40526070) · Deutsche Gesellschaft für Neurologie: S1-Leitlinie Diagnostik bei Polyneuropathien, AWMF 030-067, 2024 · Peters MJ et al.: "Incidence and prevalence of small-fiber neuropathy: a survey in the Netherlands", Neurology, 2013 (PMID 23997150) · de Greef BTA et al.: "Associated conditions in small fiber neuropathy: a large cohort study and review of the literature", Eur J Neurol, 2018 (PMID 29112785) · Singleton JR, Smith AG, Bromberg MB: "Increased prevalence of impaired glucose tolerance in patients with painful sensory neuropathy", Diabetes Care, 2001 (PMID 11473085) · Lam JR et al.: "Proton pump inhibitor and histamine 2 receptor antagonist use and vitamin B12 deficiency", JAMA, 2013 (PMID 24327038) · Universitätsspital Zürich: Sjögren-Syndrom, Häufigkeit und Alter · Bundesinstitut für Risikobewertung: Aktualisierung 2024 der Höchstmengenvorschläge für Vitamin B6 in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln · van Hunsel F et al.: "Impact of regulatory action on dose maximalization for vitamin B6 dietary supplements on the reporting pattern for neuropathy", Pharmacoepidemiol Drug Saf, 2025 (PMID 39888171) · Muhamad R et al.: "The role of vitamin B6 in peripheral neuropathy: a systematic review", Nutrients, 2023 (PMID 37447150) · gesundheit.gv.at: Tarsaltunnelsyndrom · netdoktor.de: Tarsaltunnelsyndrom · Reed KB, Davis MD: "Incidence of erythromelalgia: a population-based study in Olmsted County, Minnesota", J Eur Acad Dermatol Venereol, 2009 (PMID 18713229) · NHS: Erythromelalgia · Grushka M, Ching V: "Preliminary exploration of burning mouth and burning feet: is there a common etiology?", Pain Res Manag, 2005 (PMID 16252441) · Finnerup NB et al.: "Pharmacotherapy for neuropathic pain in adults: a systematic review and meta-analysis", Lancet Neurol, 2015 (PMID 25575710) Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Er fasst den veröffentlichten Forschungsstand zusammen; die Einordnung des Einzelfalls gehört in fachkundige Hände.
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